Hamlet: Glauben Sie mir, lieber Clavigo, glauben Sie es einem, der immerhin fast zwei Jahrhunderte länger als Sie ausprobiert, was diesen Brettern da gemäß ist: Sie sind (was immer Sie sonst sein mögen), Sie sind kein dramatischer Held!

Clavigo: Und das sagen Sie mir, Hamlet? Haben Sie denn nie Literaturgeschichten gelesen? Dann wüßten Sie nämlich, daß, wenn irgendeiner, Sie selbst als Prototyp des nichtdramatischen Helden darin herumgeistern.

Hamlet: Ah, Sie spielen darauf an, daß ich "nicht tue, was ich tun sollte"? Und Ihre Literaturgeschichten, die ich nicht gelesen habe, nennen mich darum wahrscheinlich "passiv"? Gut denn, lieber Clavigo. Sie müssen mir dann nur erlauben, Ihnen den Unterschied zwischen Ihrer und meiner Passivität auseinanderzusetzen – obgleich es mir nicht angenehm ist, mich selbst zu kommentieren; denn damit geht man bekanntlich unter sein Niveau.

Clavigo: Erklären Sie immerhin, bester Hamlet; ich bin ganz Ohr.

Hamlet: Es ist richtig: ich tue nicht, was ich sollte. Aber was ‚soll‘ ich denn? Ich soll jemanden umbringen! Mein Vater verlangt es von mir stracks aus dem Fegfeuer heraus – was einen frommen Christen etwas verwundern könnte. Aber erstens sind wir Dänen ja Germanen, und zweitens halten wohl auch bei Ihnen in Spanien, Clavigo, gern die alten Herrn an verjährten Bräuchen fest.

Clavigo: Wenn Sie den Stierkampf meinen... Hamlet: Ausgezeichnet. Stierkampf! Stellen Sie sich einen Sohn und Enkel von Stierkämpfern vor, den es im Grunde seiner Seele anwidert, Stiere zu forkeln. Er wird mit seinem Vater ähnliche Schwierigkeiten haben wie ich mit dem meinen. Aber wenn er ihn lieb hat und noch irgendwie in der Tradition steht, wird er sich vielleicht doch überreden lassen, Stiere zu forkeln und eine ebenso schlechte Figur als Toreador machen wie ich als Fememörder.

Clavigo: Schön, schön. Aber was hat das alles mit mir zu tun?