Neben zwei Flaschen Schnaps und anderthalb Pfund Speck kann der unter Tage arbeitende Bergmann im Laufe der vier Wochen einer Zuteilungsperiode maximal ein Pfund Kaffee, ein halbes Pfund Zucker und 100 Zigaretten erhalten. Das mag wenig sein oder viel – wichtig erscheint für eine grundsätzliche Betrachtung, daß dem deutschen Schwerstarbeiter überhaupt Auslandswaren zugebilligt werden. Denn auch der Speck, der eigentlich "Bacon", also geräucherter Magerspeck, ist, kommt ja aus dem Ausland, da die eigenen Schweinebestände, neuerdings drastisch vermindert, bei weitem nicht für die Lieferungen ausreichen.

Es gibt also jetzt eine ständige Einfuhr an Kaffee und Tabak wie auch an Bacon für diese Zwecke. Das ist das eine Faktum. Das andere ist, daß anläßlich der Verhandlungen über das Außenhandelsabkommen zwischen der britisch-amerikanischen Besatzungszone einerseits und den Niederlanden anderseits – Verhandlungen, zu denen leider keine deutschen Vertreter hinzugezogen waren – von den Unterhändlern der Besatzungsmächte eine bemerkenswerte Erklärung abgegeben worden ist. Kakao, Kaffee, Tee und Tabak, so hieß es da, wenn die uns vorliegenden Berichte zutreffend sind, seien "Genußmittel", deren Einfuhr "dem deutschen Lebensstandard nicht angemessen ist".

Nun mag man darüber streiten, ob Kakao als Genuß- oder als Nahrungsmittel anzusprechen wäre. Wichtiger erscheint die Frage, ob das Potsdamer Abkommen noch gelten soll – und zwar nicht nur in seinen Bestimmungen, die Deutschland belasten, sondern auch in jenem für uns günstigen Punkt, der vorschreibt, daß der Lebensstandard in Deutschland dem europäischen Durchschnitt (ohne Großbritannien und die UdSSR) zu entsprechen habe. Gilt diese Klausel, so ist nicht einzusehen, warum die Einfuhr von Kaffee, Tee und Tabak diskriminiert werden soll – auch in geringen Mengen. Und es ist um so weniger einzusehen, als ja diese Waren für den Untertagearbeiter im Bergbau, laufend gebraucht werden...

Die Sache hat noch eine andere Seite. Sie wird durch die Forderung Griechenlands beleuchtet, den Export von Rohtabak nach Deutschland wiederaufnehmen zu können, sobald der Friedensvertrag abgeschlossen ist. Natürlich wird das Devisenaufkommen aus dem deutschen Export, wenn dieser einmal wieder in Gang kommt (und das soll ja nach dem gemeinsamen Dreijahresplan für die britische und die USA-Zone ab 1947 der Fall sein), in erster Linie für lebenswichtige Lebensmittel- und Rohstoffimporte verwandt werden. Brot ist heute für uns wichtiger als Kuchen – oder als Kakao, wenn auch die Wissenschaft der Ernährungsphysiologie längst festgestellt hat, daß Brot allein es freilich nicht tut. Aber wie will man es mit dem Außenhandelsverkehr gegenüber solchen Ländern halten, die nicht in der Lage sind, Ernährungsgrundstoffe und gewerbliche Rohstoffe zu liefern? Es liegt doch nahe, im Interesse der Beschäftigung deutscher Werke und deutscher Arbeiter wie auch im Interesse der Bedarfsdeckung in Ländern, die Mangel an Industriewaren leiden, nicht auf die Möglichkeiten eines zusätzlichen Exports dahin zu verzichten – selbst dann, wenn als Gegenleistungen "nur" Tabak, Kaffee, Tee, Kakao und Speck hereinkommen, Waren also, deren Ausgabe an unsere Bergarbeiter, an unsere Kranken und unsere Kinder jedenfalls von allen vier Besatzungsmächten gebilligt wird und als gelten dürfte. E. T.