Bremens Stärke lag in seinem Handel-, in seiner SchiffahrtMit Stolz sah darum auch der Bremer auf die Ozeanriesen des Norddeutschen Lloyd "Bremen" und "Europa", denn sie waren es, die Bremen im Auslande repräsentierten. Wer heute vor den Trümmern der bremischen Hafenanlagen steht, der mag sich darum, erinnern daß die bremische Flotte vor dem Krieg einen Stand von reichlich 500 Schiffen mitrund 1,4 Mill. BRT erreichte und daß alleinder Seehafenumschlag in einer steten Aufwärtsentwicklung der bremischen Häfen 1938 die 9-Millionen-Grenze überschritten hatte. Man wird es daher ermessen können, mit welchen Schwierigkeiten die zu 42 v. H. total zerstörte und zu 15 v. H. in ihren Gebäudeteilen schwer beschädigte Stadt zukämpfen hat. Die Tatsache beschädigte daß Bremen als Hafenplatz für die amerikanische Zone Deutschlands ausersehen wurde, bot der Stadt einen gewissen Ausgleich für die erlittenen Schäden.

Der Hafen war Ende September 1945 Wieder betriebsfähig. Es stehen die Hafenschuppen in Bremen-Stadt und in Bremerhaven zur Verfügung. Zur Aufnahme von Waren hat man heute etwa ein Sechstel der früher vorhandenen 240 000 Quadratmeter Gesamtschuppenfläche und ungefähr ein Drittel der Schuppenfläche im Überseehafen Auch der Getreidehafen mit seinen 75 000 t. fassenden Silos arbeitet mit 50 v. H. seiner Leistungsfähigkeit. Die Wasserwege und die bremischen Häfen sind von Wracks, Schiffstrümmern und Minen geräumt.

Heute bietet der Bremer Überseehafen beinahe ein vorkriegsmäßiges Bild. Schiffe fast aller Nationen laufen ihn an Es überwiegen dabei freilich die: Dämpfer der amerikanischen Linien; aber auch die britische, norwegische! finnische und russische Flagge ist vertreten Neben dem sogenannten "Reliefverkehr" – der Einfuhr von Lebensmitteln für die amerikanische Zone Deutschlands – und den UNRRA-Lieferungen für die Tschechoslowakei, begann Bremen im Vorjahre wieder der Einfuhrhafen, für Baumwolle und Wolle zu werden. Im März 1946 trafen die ersten Sendungen amerikanischerBaumwolle ein. Sie erreichten mit dem Ende des Jahres 1946 rund 250 000 Ballen. Zu diesen amerikanischen Baumwollsendungen sind die britischen Wollsendungen, die speziell für die britische Zone bestimmt sind, gekommen. Sie bepfeifen sich 1946 auf 100 000 Ballen.

Man hat die alten Fachkräfte zu diesem Zweck zusammengezogen. Die Fachspediteure und die in der Arbeitsgemeinschaft Bremer Baumwollhändler zusammengeschlossenen 42 Firmen Bremens wirken bei der Abwicklung und dem Abtransport an die vom Süddeutschen Länderrat aufgegebenen Spinner-Adressen zusammen. Die Stapelung der Baumwolle hat sich dabei zufriedenstellend lösen lassen; sie ist überhaupt kein besonderes Problem, da man um schnellen Abtransport mit der Bahn bemüht ist. Ähnlich wie mit der Baumwolle steht es mit der Wolle. Es handelt sich im Wollen der verschiedensten Herkunftsländer, die in England und den USA eingelagert waren oder aus den Ursprungsländern verschifft wurden. Für den Empfang und die Verteilung. dieser Rohwolle hat sich der Großhandel der britischen Zone zu einem Wolleinfuhrkontor in Bremen zusammengeschlossen, dem 44 Bremer, mit einem Globalkontingent etwa 45 ’Hamburger Großhändler und 24 binnenländische Händler angehören.

Der Gesamtumschlag des Bremer Hafens erreichte im Jahre 1946 rund 3 Millionen Tonnen und damit 42 v. H. von 1938. Der Umschlag dieser Güter erfordert die Beschäftigung von rund 5000 Arbeitern und Angestellten, die in Doppel- und zum Teil auch in Nachtschichten im Hafen tätig sind. Eine Großküche, die von der "American Food Corporation" verproviantiert wird, versieht täglich diese Arbeitermassen mit einer warmen-Mahlzeit. Seit dem 1. März1946 ist der Hafenbetrieb der zivilen Verwaltung unterstellt worden. Der Polizeidienst liegt -ebenfalls in deutschen Händen.

Wenn bei diesen Importen im Augenblick ein unmittelbarer Kontakt zwischen überseeischen privaten Verschiffern und Bremer Importeuren noch nicht herzustellen ist, so drängt jedoch die Entwicklung unverkennbar darauf hin: In absehbarer Zeit soll die Möglichkeit persönlicher Fühlungnahme hergestellt werden. Damit dürfte Bremen den Anschluß an den Welthandel gefunden haben. Mag dabei auch die alte Position kaum erreicht werden können, zumal Bremens Schiffahrt, vertreten, durch den "Norddeutschen Lloyd", die "Hansa", die "Neptun" und die "Argo", wohl nicht in Erscheinung treten wird. Trotz der Schaden, die es wirtschaftlich und baulich erlitten hat, ist es eifrig bemüht, auch weiterhin seine wirtschaftliche Wiederaufbauarbeit zu leisten. W. H.