Der oberste Rat der antifaschistischen Freiheitsliga hat am 16. Februar das Abkommen über die Selbständigkeit Burmas einistimmig gebilligt.

Es mögen zahlreiche Gründe zusammengewirkt haben, die die Londoner Verhandlungen die nur neun Tage in Anspruch genommen haben – zu einem so raschen Abschluß kommen ließen. Die links stehende "Tribüne" meinte; es sei vorwiegend der Tatsache zu danken, daß Attlee mit den zuständigen Kibinettsministern und nicht Bevin und die-"Berufsdiplomaten" die Verhandlungen leiteten. Verglichen mit dem ägyptischen Problem und der Frage nah der Zukunft Palästinas, die beide strategische Gesichtspunkte mit umfassen, ist die Entscheidung im Fälle Burmas zweifellos nicht so schwerwegend gewesen: Burma ist im übrigen innerhab des ganzen Britischen Empire das Gebiet, das bei weitem am stärksten durch den Krieg zerstört worden ist und das darum einen besonderen Anspruch auf Berücksichtigung seiner Wünsche hat. Aulerdem hat der Nationalismus, den die japaner mit der Devise "Asien den Asiaten" allenthalben in Fernen Osten angefacht haben, in Burma besonders helle Flammen geschlagen. Und schließlich hat Burma in dem Führer der Delegation, dem dreiundreißigjährigen Aung San, der zugleich Führer der "Antifascist Peoples League of Freedom" ist, einen geschickten und zielbewußten Unterhändler,

Der Werdegang dieses Mannes ist nicht nur sehr typisch für den revolutionären Nationalismus des Orients überhaupt, sondern zugleich auch repräsentativ für die Entwicklung seines Landes: 1936 Teilnahme an studentischen Unruhen in Rangun: Ausschluß vom weiteren Studium. Generalsekretär der Bewegung "Our Burma Association". Organisierung von zahlreichen Streiks und Unruhen. 1940 Aufenthalt in Haman, um von den Japanern militärisch ausgebildet zu werden. Als dann. schließlich der Krieg mit Japan ausbrach, trug Aung San an der Spitze bewaffneter Banden das Seine dazu bei, um die Engländer ausBurma herauszudrängen. Die Japaner machten ihn daraufhin zum Verteidigungsminister undunterstellten ihm als neuernanntem General die Nationalarmee. Sehr baldaber zeigte, sich,-daß die japanische – "Befreiung", sich in zunehmendem Maße zu einerEnttäuschung auswuchs Aung San trat daher 1944 – in seiner Eigenschaft als Chef der nationalen Verteidigungsarmee und als Führer, der sogenannten Antifaschistischen Freiheitsliga – einer Art Résistance-Bewegung – in geheime Verhandlungen mitden Engländern und erhielt dieZusicherung, daß die Vertreter der Freiheitsliga von denEngländern als Partner in eine neue Regierung aufgenommen würden. Nachdem die Japaner mit vereinten Kräften in Burma vernichtend geschlagen worden waren, traten sehr bald Differenzen ein zwischen der nationalistischenBewegung den den Engländern, weil diese aus Furcht vor den starken kommunistischen Kräften, die in der Freiheitsliga wirksam waren, sich nicht entschließen konnten, ihre Zusicherung – einzuhalten. Erst im September 1946, nachdem, erbitterte Streiks und fanatische Aufstände den Zusammenbruch der gesamten Verwaltung befürchten ließen, entschloß sich der neuernannte Gouverneur, sechs Mitglieder der Freiheitsliga in den elfköpfigen Exekutivrat – der gewissermaßen das Ministerkabinett des Landes unter dem Präsidium des Gouverneurs darstellt – aufzunehmen: Aung San wurde zum Vizepräsidenten ernannt.

Er hat erreicht, was er in London forderte: im April finden die Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung statt. Bis zur Konstitution der neuen Regierung wird der Exekutivrat ebenso wie in Indien Als provisorische Regierung angesehen. Burma erhält vollkommene Selbständigkeit auch in Bezug auf Finanzen und Verteidigung. Es steht ihm im übrigen frei, ob es seine Selbständigkeit im Rahmen des Commonwealth ausüben oder ganz aus dem britischen Verband ausscheiden will. Dff.