Die Looggerfischerei 1946

Die dentsche Loggerfischerei hat ihre Saison beendet. es liegen jetzt die Fangergebnisse ihrer Leistungen vor. Diese Fischerei, auch die „große Heringsfischerei“ genannt, wird mit Treibnetzen während der Monate Mai bis Dezember auf den Hering betrieben.

In großen, stehenden Netzen. fängt sich der Hering mit den Kiemen und kommt völlig unbeschädigt an Deck wird sofort „gekehlt“, gesalzen und in Fässer – Kantjes – verpackt. Ein Kantje ist das auf See gefüllte Faß, dessen Inhalt gewichtsmäßig schwankt, im allgemeinen jedoch mit etwa 70 kg angegeben werden kann.

Die Fischerei beginnt Ende Mai in der Höhe der Shetlandinseln. Sie geht über die bekannten Fangplätze der deutschen Trawl-Heringsfischerei – Fladengrund, Gat und Doggerbank – bis an den Eingang des Kanals. Diese Heringsfischerei wird also in Gebieten betrieben, für die die Einschränkungen der Fangtätigkeit, von der die deutsche Dampfer-Hochseefischerei betroffen. wird, nicht bestehen.

Die Loggerflötte hatte im Jahre 1938 170 Fahrzeuge. In der verflossenen Saison konnten jedoch nur 55 Logger auslaufen. Auch die Loggerflotte hatte während des Krieges empfindliche Verluste. Der Ablauf der Saison 1946 geht aus der folgenden Übersicht hervor und macht den gegenwärtigen Leistungsstand an einem Vergleich mit dem Jahre 1938 deutlich. Nach diesen Zahlen sind 1946 etwa 43 v. H. der Vorkriegsfänge mit 30 v. H. der Vorkriegsflotte hereingeholt worden.

Unsere Loggerflotte, die jetzt bis auf wenige Fahrzeuge in den Häfen liegt, wird überholt, und bereitet, sich für den Heringsfang der Saison. 1947 vor. Sie hat außerordentliche Schwierigkeiten zu überwinden. Die Beschaffung von Fässern, Tauwerk und Netzen erfordert größte; Anstrengungen; ernstliche Sorgen bereitet die Durchführung einer unerläßlichen Konservierung der „Netze, die bisher in Holland vorgenommen wurde und vorläufig-kein brauchbares Ersatz verfahren hat.

In der kommenden Saison ist mit dem Auslaufen einer größeren Zahl von Loggern (wahrscheinlich über hundert Fahrzeuge) zu rechnen, so – daß ein besseres Fangergebnis erwartet werden kann. dp.

Wunderwerk Wiesmoor

Die Looggerfischerei 1946

Unsere Zukunft liegt in Deutschland“ – so lautete der Titel eines im Jahre 1930 gedrehten Filmes über die 12 000 Hektar großen Ländereien des Nordwestdeutschen Kraftwerkes Wiesmoor, der heute wieder, aktuell ist Hier wurde gezeigt, was Initiative, Unternehmungsgeist und Fleiß aus einer wertlosen Landfläche zu machen Vermögen.

Am Anfang – es war um die Jahrhundertwende – stand der Wille, die ausgedehnten, schwer zugänglichen Hochmoorflächen zwischen Oldenburg und Ostfriesland zu kultivieren und damit Boden zu gewinnen für große Bauernsiedlungen: Dazu mußten aber erst umfangreiche Moorfelder vom Torf befreit werden. Um den Torf fördern und verwenden zu können, errichtete man ein Torfkraftwerk, beschränkte sich aber, um es besser ausnutzen zu können, nicht allein auf die Stromerzeugung, sondern benutzte die Kühlwasser und sonstigen. überschüssigen Wärmespender des Kraftwerkes zur Errichtung von großen, Hektar umfassenden Glashäusern, in denen alle möglichen Gemüsesorten nahezu das ganze Jahr hindurch geerntet, werden können.

Aus der öden Moorlandschaft entstand so. seit den ersten Arbeiten im Jahre 1909, Nordwestdeutsche Kraftwerk; ferner eine mit modernsten, größtenteils selbst konstruierten Fördermaschinen arbeitende Torfgewinnungsanlage. die dem Kraftwerk den Treibstoff und der ganzen Umgebung das Brennmaterial liefert; eine Großgärtnerei mit gewaltigen Gewächshausanlagen; ein Groß-Bauernbetrieb mit gutem Viehbestand und ertragreichen Eeldern und schließlich eine Siedlung aus Arbeiterheimen, jedes mit eigenem Garten und Landwirtschaff.

Das Torfkraftwerk gewinnt seinen Treibstoff aus einer rund 3000 ha großen Moorfläche, von der bis heute erst 1330 ha abgetorft sind. Das Werk hat eine Leistungsfähigkeit von rund 1500 kWh und versorgt das Gebiet zwischen der unteren Wesel und der holländischen Grenze 9000 qkm – mit Strom. Infolge einer im vergangenen Jahr durchgeführten Umstellung auf Hochdruckdampf konnte die Jahresetzeugung. von 70 auf 100 Millionen Kilowattstunden gesteigert werden, ohne daß dafür mehr Torf gebraucht wird. –

Die jährliche Torf Produktion stieg seit 1920 auf das Dreifache, und zwar von 40 000 auf 120 000 t, wobei im Jahr etwa 60 ha Moor abgetorft und anschließend landwirtschaftlicher Nutzung zugeführt werden. Durch diese Produktionssteigerung und durch die Angliederung landwirtschaftlicher und „ärtnerischer Betriebe konnten die in der Torfgewinnung nach Rationalisierung freiwerdenden Arbeitskräfte. weiterbeschäftigt werden. Ihre Zahl beträgt heute insgesamt 1200 Mann, davon 800 für die Torfgewinnung, 50 für das Kraftwerk, 200 für die Gärtnerei und 60 für die Landwirtschaft.

Von der zur Zeit mit Glas überdachten Fläche von rund 70 000 qm fallen jährlich ca. 15 000 cbm bakterienreiche Komposterde an, die zur Verbesserung der Moorweiden und der unkultivierten landflächen dienen, wobei sich Ertragssteigerungen bis zum Doppelten der Normalerträge anderer Moorböden ergeben und jährlich 30–35 000 Zentner Getreide, Kartoffeln und Gemüse gewonnen werden. Nach Anlage der Gärtnerei werden jährllich Frühgemüse im Wert von 1,3 Mill. Mark erzeugt, darunter 2.5 Mill. Stück Gurken, 5000 Zentner Tomaten, ca. 150 000 Stück Kohlrabi, 2000 Zentner Söhnen usw.

Dies alles schuf Wiesmoor aus einer vor. zwanzig Jahren noch öden Moorfläche. Wenn man heute diese riesigen Anlagen durchfährt (auf einer mit Torf angetriebenen Kleinbahn von 50 km Länge), dann begreift man, was hier geleistet wurde; und man versteht auch die Lehre für unsere Zeit und Notlage: so, wie hier, neue Mittel und Wege zum Weiterleben und zu neuem Aufbau zu gewinnen!

wgk.