Da stand er also. Mittelgroß, massiv, aber nicht dick, fest aufgestellt auf seine heimatliche Erde. Die Hände derb und fleischig, Handwerkerhände, nicht Künstlerfinger. Das Gesicht breitflächig, der Mund durchaus nicht genießerisch vorquellend, sondem zuchtvoll zurückgenommen, die Nase ziemlich groß, herzlich dunkle Augen voll Ruhe und Bewältigung, die schon gebaute Stirn umbuscht von einer weißen, flaumigen Haarmähne.

Es war in Lier, im Lande der Nethe, die so behaglich durch Timmermans’ Geschichten plätschert. Da war sein kleines Haus und die Straße mit dem Kopfsteinpflaster, Ich spüre noch heute das weiche Halbdämmer seines Zimmers, eines sehr adretten und wohlgepflegten Bürgerzimmers mit vielen Bücherreihen und manchem schönen Bild. In einem Regal standen Timmermans’sämtliche Werke beieinander, original und in ihren Übersetzungen. Der „Pallieter“ war sogar japanisch zu finden.

Aus diesem Dichterreich ist er nun fortgegangen, hinüber ins Unbekannte. Hat ihn an der Pforte des Paradieses das flandrische Jesuskind empfangen? Oder die Madonn der Fische? Oder der tolldreiste Pallieter? Oder Pieter Breughel, der andere Seelen- – verwandte? Gott Vater hat diesen zarten Mann, dieses.starke Kind an sein Herz genommen, denn in ihm lebte das Biblische, die alttestamentarische Umarmung des Lebens und die geistgewordene Gläubigkeit des neuen Bundes.

In seinen Büchern werden wir weiterhin den Frieden atmen, den die Dichter stiften; und der immer ein anderer sein wird als der Frieden der Diplomaten. Herbert Scheffler