Von Ellen FechnerZuweilen erwache ich nachts durch ein Geräusch.Es gibt viele Geräusche auf einem Schiff, und es ist oft schwer, ihren Ursprung zu bestimmen. Da ist beispielsweise der Steg, der manchmal ohne ersichtlichen Grund eigentümlich zu pochen beginnt, so, als klopfe ein riesiger Hund zum Zeichen seiner Ergebenheit mit dem Schweif ununterbrochen auf den Boden. Oder der Wind fängt sich in der Bespannung der Reling, so daß sie hin- und herschlägt. Es klingt wie gedämpftes Tappen von Schritten vorn im Wohnzimmer. Wenn er mit der Persenning spielt, meint man, das kurze Knacken eines Schalters zu hören.

Oft stehe ich auf, um mich zu vergewissern, daß es Wirklich nur der Wind ist, der mich geweckt hat. Ich öffne die Tür, vor der die Nacht steht, schweigsam und undurchdringlich wie eine Mauer. Eisfläche und Wasser glitzern unheimlich im Lichtschein, der nach draußen fällt und gleich dahinter in der Dunkelheit ertrinkt. Ich spüre das leise. Vibrieren des Schiffskörpers. Ich bin allein mit dem Wind, der Nacht und dem Schiff, das mich einst aus dem Chaos der Zeit gerettet hat und auf dem ich seither wohne.

„Fürchten Sie sich nicht?“ fragen die Leute. „Nein“, erwidere ich, „ich fürchte mich nicht.“

„Aber die Zeiten sind unsicher, und Sie sind schutzlos hier.“

„Ich bin nicht schutzlos“, möchte ich erwidern, „ich habe eine Erinnerung.“

„Eine Erinnerung?“ würde man verwundert fragen, „wie merkwürdig! Kann eine Erinnerung Schutz bieten gegen die Gefahren und die Unsicherheit unserer. Zeit?“

Aber weil ich daran zweifeln müßte, dies glaubhaft zu machen, so schweige ich, wenn die Leute fragen, und lächele statt einer Antwort.