In dem Aufsatz "Bedrohte Stahlkapazität" unseres Kölner Mitarbeiters Johann Schäfer brachten wir am 6. Februar 1947 detaillierte Angaben über das gegenwärtige Leistungsvermögen der deutschen Stahlwerke. Der Stahlbedarf wurde mit ungefähr 13 bis 14 Millionen Tonnen angegeben. Umfangreiche Berechnungen der Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie (Düsseldorf) zeigen, Jedoch, daß er noch beträchtlich darüber hinausgeht. Abschnitt V des Industrieplans bestimmt:

a) Die Erzeugungskapazität der in Deutschland belassenen Stahlindustrie soll 7,5 Millionen. Tonnen in Blöcken betragen. Diese Zahl kann zur weiteren Senkung überprüft werden, wenn eine Notwendigkeit dazu bestehen wird.

b) Die genehmigte Stahlerzeugung in Deutschland darf 5,8 Millionen Tonnen in Blöcken in jedem folgenden Jahr ohne besondere Genehmigung des Alliierten Kontrollrats nicht übersteigen, Wobei diese Zahl einer alljährlichen Revision durch den Kontrollrat unterliegt.

c) Die entsprechend dem oben erwähnten Programm in Deutschland belassenen Werke sollen näch Möglichkeit Veralteten Typs sein.

Während die Gesamtindustrie (ausschließlich Baugewerbe) auf 50 bis 55 v. H. ihres Produktionsstandes von 1938 zurückgebracht werden soll, wurde die Rohstahlproduktion auf 26 v. H. beschränkt. Die Großeisenindustrie Deutschlands Gebietsstand vom 1, Januar 1938) erzeugte:

Die Grenze von 5,8 Millionen Tonnen wurde augenscheinlich nach dem im Krisenjahr 1932 erreichten Produktionstiefstand von 5,77 Millionen Tonnen (ohne Saargebiet) festgelegt. Die Folgen einer solchen Beschränkung würden aber bei dengegenwärtigen Verhältnissen weit ernster sein als damals. Die Krise traf Verbraucher und Erzeuger, die in den vorangegangenen Konjunkturjahren ihren Bedarf befriedigt und Vorräte angesammelt hatten; Der Verbrauch war daher weit größer als die Erzeugung. Wie sehr die Stahlquote eine Lebensfrage des deutschen Volkes ist, ergibt sich aus. der engen Abhängigkeit der vielen eisenverarbeitenden Industrien sowie auch der Landwirtschaft, "des Baugewerbes, des Verkehrs usw. von der Eisen- und Stahlerzeugung; Die Bedeutung des Eisens für die gesamte Wirtschaft findet seinen prägnantesten Ausdruck in der Parallelität von Volkseinkommen und Stahlverbrauch.

Weil die deutsche Wirtschaft in solchem Maß von der Eisen- und Stahlerzeugung abhängig ist – und dies ließe sich nur durch einen grundlegenden Strukturwandel nach und nach ändern –, bedeutet eine unzureichende Stahlquote vermindertes Volkseinkommen oder, präziser ausgedrückt, absichtliche Verelendung.