Großbritannien hat die bulgarische Regierung anerkannt. Es heißt, daß die Vereinigten Staaten dem britischen Beispiel folgen werden. Damit werden die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden westlichen Großmächten und Bulgarien normalisiert. Seit dem Waffenstillstandsvertrag, der im Herbst 1944 unterzeichnet wurde und mit dem Abschluß des Friedensvertrages seine – Bedeutung verliert, hatten die beiden Westmächte nur je einen politischen Vertreter in der Allierten Kontrollkommission in Sofia, dessen Bewegungsfreiheit, wie kürzlich im Unterhaus festgestellt wurde, recht begrenzt war. Bulgarien ist der letzte der ehemaligen Verbündeten Deutschlands in Europa, dessen Regierung bisher von den Westmächten nicht anerkannt war, weil nach Auffassung dieser Mächte die bulgarische Regierung undemokratisch sei. An dieser Auffasung scheint sich nichts geändert zu haben, denn in der Note, in der die britische Regierung Bulgarien den Anerkennungsbeschluß mitteilt, wird. zum Ausdruck gebracht, daß damit die Methoden der bulgarischen Innenpolitik und die Durchführung der kürzlich abgehaltenen Wahlen in keiner Weise gutgeheißen werden.

Die englische Regierung hat ihren Entschluß bisher öffentlich nicht begründet, aber man wird annehmen dürfen, daß Erwägungen der Realpolitik dabei die Hauptrolle gespielt haben. Hätte Großbritannien diesen Schritt nicht unternommen, so würde es nach Auflösung der Alliierten Kommission infolge der Friedensunterzeichnung keinen Vertreter und somit keine Möglichkeiten mehr gehabt haben, meint Interessen in Bulgarien direkt wahrzunehmen und die Durchführung der buigarischen Verpflichtungen aus dem Friedensvertrag unmittelbar zu kontrollieren. Vielleicht gilt auch für Bulgarien, was Bevin dieser Tage in bezug auf Polen äußerte, als er sagte, England werde nichts unversucht lassen, um Polen in der Zukunft zu einem demokratischen Regime zu verhelfen. B.