Während die Banken in den Westzonen Deutschlands ihre Tätigkeit nach der Kapitulation mit dem alten Kapital fortsetzen konnten und die Konteninhaber, abgesehen von aktiven Nationalsozialisten, in der Verfügungihrer Gelder ungeschmälert blieben, hatte sich Berlin und die Ostzone mit dem Schlußstrich unter sein altes Bankwesen abzufinden. An Stelle der geschlossenen Reichsbank wurde für Berlin von dem inzwischen gestorbenen General. Bersarin das "Berliner Stadtkontor" befohlen. Umgeben von Trümmern, begann es im ehemaligen Reichsbankgebäude in der Kurstraße ohne jedes Eigen- oder Einlagekapital seine Arbeit. Um endlich dem Berliner Stadtkontor seine Kreditgewährung als eigentliche Aufgabe zu ermöglichen. stellten die "Großen Drei" der Alliierten Militärkommandantur je 25 Millionen RM zur Verfügung. Aber bald zeigte es sich daß dieses Verfügungsgeld kaum gebraucht wurde, da ein überraschend schnelles Anwachsen von Einlagen zu verzeichnen Weiterhin stand mit der Wiederaufnahme des Postverkehrs auch dem Aufleben des Überweisungsverkehrs mit den neugegründeten Banken der, Sowjetzone. nichts mehr im Wege. Im August 1946 übernahm die Verrechnung der Überweisungen die Bankenverrechnungsstelle Potsdam, die bei der Provinzialbank der Mark Brandenburg ins Leben gerufen worden war. Außerdem stellt das Berliner Stadtkontor die Brücke zwischen des Sowjetzone, Berlin und den Westzonen dar. Dank seiner eifenen Akreditivabteilung ist es jetzt beispielswese möglich, Zahlungsgeschäfte zwischen Leipzig und Düsseldorf innerhalb eines Tages zu erledigen. Der Interzonenverkehr konnte daher im vergangenen Jahr auf einen Zahlungsumlauf von 431. Millionen Mark zurückblicken. Der innere Aufbau des Berliner Stadtkontors ist heute im wesentlichen abgeschlossen. Von den ursprünglich 21 Bezirksbanken, mit denen die neue Organisationsabteilung Berlin durchsetzte, arbeiten heute 70 Nebenstellen mit Hochdruck. Im Hinblick auf die schwierigen Verhältnisse der, Sicherheitsleistung wurden von der Kreditabteilung von Anbeginn Personalkredite besonders gepflegt, d. b. die Ausleihe wurde nicht nur vonder dringlichen Sicherheit abhängig gemacht. Leider bestehen innerhalb der Alliierten Kommandantur bis heute keine einheitlichen Richtlinien, die der Bank eine eigene.

Kreditermächtigung sicherstellen könnten. Die bereitgestellten Kredite stiegen von Ende 1945 bis Ende 1946 von 190 Millionen auf 379 Millionen RM., von ihnen wurden nur 204 Millionen in Anspruch genommen. Ein Beweis, wie sehr Berlins Wirtschaftsleben noch im Anfang steckt. Die öffentliche Hand benötigte dabeitatsächlich statt 159 Millionen nur noch 29 Millionen, während die privatwirtschaftliche Inanspruchnahme von 9 auf 175 Millionen anstieg.

Um eine gewisse Rentabilität zu gewährleisten, mußte außerdem die gesamte Zinspolitik geändert werden. Ein Befehl der Alliierten Kommandantur vom April 1946 untersagte die ursprüngliche Verzinsung der Giroeihlagen mit 1 v. H. Diese Verzichtleistung betrifft nicht nur die deutschen Einlagen, sondern genau so die erheblichen Guthaben der Besatzungsmächte. DerKreditzins, wurde im gleichen Zuge auf 4v. H. gesenkt.

Die Einlagen steigerten sich im ersten Geschäftsjahr von 1 Milliarde auf zur Zeit, 2,5 Milliarden. Dementsprechend stieg die Bilanzsumme von 1110 Millionen auf 2454 Millionen. Die Gesamtumsätze im Kontokorrentverkehr betrugen 37. Milliarden, der Bargeldumsatz 7.7. Milliarden. Die Zahl der Konten stieg von 32 049 auf 62 754 Ende 1946.

Obgleich die Erfolgsrechnung des Berliner Stadt; kontors nach seinemerstem Geschäftsjahr noch nicht ganz abgeschlossen werden konnte, kann das Institut bereits jetzt auf einen Gewinnüberschuß von 1 Millionen RM blicken. Die Handelsunkosten betrugen 1946 etwa – 6 Millionen, während rund 7 Millionen als Zinsen und Provisionen hereinkamen. Der verbleibende Gewinn soll der inneren Festigung dienen und deshalb der Reserve zugeführt werden. Als die Privat- und Kreditbank Berlins, die die Aufsicht über den Geld- und Kapitalmarkt führt und gleichzeitig als Platzhalterin für die präsumtiveNotenbank anzusehen ist, erhält sie zwar den Charakter einer Monopolbank oder gar Notenbank und hat deren Pflichten zu erfüllen. Das Stadtkontor geht aber anderseits der Einnahmen aus seiner Notenemission verlustig, da diese ihr nicht zufließen. Welche endgültige Rolle das Berliner Stadtkontor in Zukunft spielen wird und welche Aufgaben ihm gestellt werden, wird im wesentlichen von der wirtschafrlichen Entwicklung Berlins und nicht zuletzt von der ganz Deutschlands abhängen. W. Schmidt