Von Walter Henkels

hinlänglich bekannt, fest eine radikale Entzauberung erfahrend Wo einst die Romantiker, die Freiligrath, Geibel und Simrock, die Heine und Heyse in die Saiten griffen wo Nietzsche, Karl Schurz, Tieck, Kekulé and selbst Verdi manchen Becherlupf taten, da ist heute, der mächtigen Kastanien beraubt, ein rasiertes Plateau, und man hat Not, nicht in die Ein-Mann-Schützenlöcher zu stolpern. Unten fließt der Strom. Treibeis mit Möwen sind seine winterlichen Attribute. Wir sprechen von Bonn

Der Ruhm, in der Bonngasse ein Haus stehen zu haben, in dem einer der Mächtigsten dieser Zeit geboren wurde, einer, der den Göttern am nächsten, steht. läßt die Stadt nicht mutlos werden. Beethovens Geburtshaus blieb übrigens heil, obwohl die "Teppiche" rundum ihr Werk mit Gründlichkeit besorgten,

Bonn, obwohl in ausgeprägtestem Maße rheinisch, entfaltete seinen Geist generationenlang in einer stillen, ruhigen, stetigen Weise aus sich heraus. Nicht so sehr jenen Erscheinungen der landläufigen und meist falsch verstandenen "rheinischen Romantik" und des "Bonner Studentenlebens" dankte diese Stadt ihren Ruhm – sondern doch mehr ihrer wissenschaftlichen Leistung, der Dichtigkeit und Leidenschaftlichkeit ihres geistigen Lebens und der Würde wissenschaftlicher Forschung.. Hier blühte das akademische Leben mit einer seltenen Weltoffenheit und Freizügigkeit, Hochschule und Bürgerschaft vertragen sich ausgezeichnet; die Stadt fand immer Zeit, die traditionellen Beziehungen zur Universität herzlich zu gestalten, und der fragwürdige studentische Komment der alten Burschenherrlichkeit, die studentischen Marotten, die Zeremonien des Saufens, des Raufens und der Liebe nahmen freilich auch ihren Platz ein,

Die Jahre, und besonders, die Jahre des Unheils, haben auch hier das Unterste zuoberst gekehrt, in jeder Hinsicht und in jedem nur denkbaren Bezug. Registrieren Wir die Erscheinungen und halten wir uns ans Bild:

Der "Herr Professor", der einmal die geistige Regentschaft in dieser Universitätsstadt besaß, ist ein völlig anderer geworden. Wo und wann hat er sich einmal intensiv mit so primitiven Erscheinungen des Lebens zu beschäftigen gehabt wie mit Kartoffeln, Brot und Schuhwerk, mit Wohnung und womöglich auch noch mit Entnazifizierung? Einer der akademischen Lehrer, so erklärte kürzlich der Lektor, der inzwischen zum Kultusminister von Nordrhein-Westfalen berufene Professor Konen, hause mit beiden vier Kindern auf dem nackten Boden, und in solchen Verhältnissen habe dieser Mann ein herrliches wissenschaftliches Werk voll-, endet, dessen Gestaltung mehr Lob verdiene als Hauche zwanzigbändige Enzyklopädie.

Und erst der Student dieser Zeit! Hat er nicht sein Gesicht verloren, nicht nur wegen der mangelnden Schmisse? Unterscheidet er sich wesentlich von seinen nichtakademischen Kameraden, die aus der Gefangenschaft zurückkehren? Trägt er nicht dieselbe "Kluft", dieselbe alte, gefärbte "Montur", un in seinem Jargon zu reden? Höchstens ein gewisser "Offiziersbenimm", ein gewisses Zeremoniell bei Begrüßung und Verabschiedung vor und nach dem Kolleg – Handschuhe, knappe Verbeugung – bemerkt der Beobachter Und ihr Verhältnis zur Wissenschaft? Diese jungen Männer sind weit marschiert. Haben sie auch weit gedacht? Uli es ihnen nach diesem barbarischen Zwischenspiel des Krieges nicht schwer, mit dem wissenschaftlichen Handwerkszeug zu hantieren? Die Lehrer sagen, daß die Studenten Interessen hatten, aber mangelhafte Kenntnisse. Das Studium selbst parken die meisten sehr ernsthaft an, aber das schulmäßige Büffeln macht kein Vergnügen, wenn man vorgestern noch eine Kompanie geführt hat. Mai hat genügend Jahre vertrödelt, und nun möchte man etwas erreichen. Ein Professor sagte um, daß man manchmal bekümmert sein müsse über die Voraussetzung lose Wissenschaft, die sie betreiben müßten. Die Studenten, die wir befragten, erwarteten Hilfe. Rücksicht und Verständnis