In den Friedensverträgen mit Ungarn, Rumänien und Bulgarien würde die Freiheit der Donauschiffahrt auf der Grundlage der Gleichberechtigung aller Staaten proklamiert. Dadurch ist, nach langen und harten Verhandlungen, erreicht worden, daß das "Prinzip der offenen Tür" in diesem Räume seine Anerkennung gefunden hat.Der Ton liegt dabei vorläufig auf dem Wort Prinzip. Über die Öffnung dieser Tür selbst soll erst noch verhandelt werden. Sie ist mit einem Güterumschlag von Millionen Tonnen von sehr größer Wichtigkeit für die Donauländer und für alle Staaten, die mit ihnen Wirtschaft und Politik treiben wollen, innerhalb von sechs Monaten soll eine Konferenz der Großmächte und der Donauländer zusammentreten, um ein neues Donaustatut auszuarbeiten. Das ist ein Kompromiß, ein Erfolg der englischamerikanischen Forderungen.Die Sowjetunion hatte zunächst versucht, dieDonaufrage als eine Angelegenheit der Anliegerstaaten allein zu behandeln. Der erste Versuch, die Flußschiffahrt international zu regeln, wurde vor 300 Jahren im Westfälischen Frieden gemacht. Später war die Donauschiffahrt mehrmals Gegenstand internationaler Konferenzen, Er zum zweiten Weltkrieg gab es zwei internationale Kommissionen, die für die Donaubogen zuständig waren. Die Internationale Donaukommission, deren weitreichende Kompetenzen dem auf Grund der Pariser Vorortvertrage 1921 errichteten Donaustatut entsprangen, war für die gesamte Länge der schiffbaren Donau oberhalb des Deltas zuständig. ihre Mitglieder waren ursprünglich außer den Anliegerstaaten auch England, Frankreich und Italien. Die Strecke von Braila abwärts bis zur Mündung Die dete den Bereich der Europäischen Donaukommission, die auf den pariser Friedensvertrag von 1856zurückgeht. Aus ihr waren 1921 Deutschland und Rußland ausgeschlossen worden, so daß nur England, Frankreich, Italien und Rumänien darin vertreten waren. Im zweiten Weltkrieg wurde die Tätigkeit der beiden Kommissionen zuerst, beschränkt und dann gänzlich eingestellt Stattdessen regeite Deursch land die Fragen der Donauschiffahrt gemeinsam mit den Anliegerstaaten unter Ausschluß der anderen Interessenten. Das führte 1940 zu einer scharfen deutsch-russischen Kontroverse, als die Sowjetunion in Berlin Protest erhob, weil sie zu der von Deutschland nach Wien einberufenen Donaukonferenz nicht eingeladen worden war. ihren Anspruch auf Beteiligung begründete die Sowjetunion damit, daß sie durch sie kurz zuvor durchgeführte Besetzung Bessarabiens Donaumacht geworden sei, und sie verlangte die Liquidierung beider Kommissionen, an deren Stelle eine neue Körperschaft zur Kontrolle der Donau von Preßburg bis zur Mündung errichtet werden sollte. Deutschland wollte hingegen die Sowjetunion an der Verwaltung des Deltas beteiligen, lehnte aber alle weitergehenden sowjetischen Ansprüche mit der Begründung ab, daß die Schiffahrt auf dem übrigen Teil der Donau Sache der unmittelbar interessierten Staaten sei.

Neben wirtschaftlichen haben fast immer auch politische Motive bei der Haltung der Großmächte in der Donaufrage eine Rolle gespielt. Jede Großmacht oder Großmächtegruppe, die in den Donau-Staaten gerade wirtschaftlichen und politischen Einfluß besaß, pflegte den Standpunkt zu vertreten, daß die Regelung der Donauschiffahrtsfragen nur die Anliegerstaaten angehe. Und weil die kleinen Donaustaaten fast immer unter dem Einfluß einer Großnacht standen, ergab sich für die übrigen Großnächte aus wirtschaftlichen und politischen Gründen die Notwendigkeit; für die Freiheit der Donauschiffahrt einzutreten.

Die Sowjetunion, die ihre in den letzten zwei Jahren in allen Donauländern unterhalb Österreichs aufgerichteten und bis zu einem gewissen Grade konsolidierten, sehr namhaften Interessen und Positionen im Donauraum zu verteidigen hat, stimmte zu, die Freiheit der Donauschiffahrt in den Fredensverträgen zu verankern. In Presse und Rundfunk aber vertritt sie die Auffassung, daß Staater die nicht an der Donau liegen, die wirtschaftliche Selbständigkeit und die politischenRechte der Donauländer zu verletzen versuchen. Die Donauländer seien der Absicht, erklärte kürzlich der Sender Moskau, sie seien selbst imstande, ein Donaustatut zu schaffen, das die Rechte aller Nationen festlegt. schaffen, versuchten die USA und Einfand, so heißt es weiter in dem Kommentar, wirtschaftliche Pressionen, auf die kleinen Donaustetten auszuüben".

Nicht uninteressant sindin diesem Zusammenhang die Äußerungen, die kürzlich von Regierungsver treten der Donaustaaten abgegeben wurden. Soerllärte der rumänische Ministerpräsident Gross, es sei der Abschluß einer Zollunion unter den Donauländern geahnt, wozu Ungarn bereits sein grundsätzliches Einverständnis gegeben habe, und der später auch die Tschechoslowakei und andere Donauländer beitreten, sollen. Dadurch wurde, so sagte Groza; der Außenhandel mit diesen Staaten erleichtert werden, dar Verhandlungen über Einfuhr und Ausfuhr dann nur mit einer einzigen Institution zu führen sein wurden. Der bulgarische stellvertretende Ministerpräsident und Außenminister Georgieff gab sogar in einem Interview nach Unterzeichnung des bulgarischen Friedensvertrages seinen Erwartungen Ausdruck, die er an eine Balkanföderation knüpft. Na den seiner Ansicht hätten die Beziehungen zwischen den slawischen Völkern auf dem Balkan bereits eine Stufe erreicht, die erste Schritte in Richtung auf eine solche Föderation rechtfertigten.

Ob solche Pläne bis zum Beginn der können, konferenz in ein konkretes Stadium treten können, ist nicht abezusehen. Es steht aber bereits heute fest, daß die Formulierung eines neuen Statuts für die Doniuschiffahrt langwierige und komplizierte Verhandlungen zwischen den Großmächten erfordern wird. Welche bedeutenden Fragen dabei mitspielea, konnte man schon aus dem Streit um die Eigentumsverhältnisse bei der Donaudampfschiffahrtegesellschaft sehen, die zeitweise einesder schwierigsten Probleme des österreichischen Komplexes war.