Die Ausgliederung-und Gründung der vier selbständigen Eisen-und Stahlwerke–der Hüttenwerk. Oberhausen AG. aus dem Konzern der Gutehoffnungshütte, der Hüttenwerk Heerde AG. aus dem Dortmund-Hoerder Hüttenverein der Ver. Stahlwerke, der Stahlwerke Bochum AG. (früher. Otto Wolff-Gruppe) und der Hüttenwerk Haspe AG. (bisher Klöckner-Konzern) – erscheint sowohl in Anbetracht der getroffenen wirtschaftlichen Abmachungen, wie des neuen Statuts und schließlich auch im Zusammenhang mit den in der britischen wie amerikanischen Zone jüngst erlassenen Antitrust-Gesetzen zunächst mir als ein Provisorium,: das sowohl in der geringen Höhe des jeweiligen Aktienkapitals von 100 000 RM, in der Übernahme des Kapitals durch die für die Entflechtung – nicht Sozialisierung – eingesetzte Treuhandverwaltung, in den mit den bisherigen Werkbesitzern abgeschlossenen Pachtverträgen, wie auch schließlich technisch-wirtschaftlich darin zum Ausdruck kommt, daß die Grenze für die Neuordnung beim Walzwerk gezogen wurde, also gerade dort, wo die Unrentabilität der Rohstoffbetriebe eben erst: beginnt aufzuhören. Die Stufen der Weiterverarbeitung und Verfeinerung bleiben zwar in engem und auch natürlichem Zusammenhang mit den neuen Unternehmungen, werden aber konzernmäßig nicht mehr zu ihnen gehören.

In der Tat sollte ja wohl auch nichts weiter ab ein. Übergangsstadium geschaffen werden. Wenn man dies als nicht lediglich aus Gründen der "Optik" angestrebt betrachtet, so wird man es wohl ehestens noch als Gelegenheit ansehen können, auf einem bisher noch wenig begangenen Wege erste Schritte, zu tun und Erfahrungen zu sammeln. Auch die im Verfolg des Artikels 2 des Potsdamer Abkommens – erlassenen und nur als provisorische Lösung anzusehenden beiden Kartell- und Antitrust-Gesetze nehmen neben dem Bergbau und der IG, die Eisen- und Stahlindustrie ausdrücklich aus, und zwar mit der Begründung, daß sie ohnehin dem Gesetz Nr. 52 unterstünde, was aber wohl auch von einem großen Teil der anderen? in beiden Zonen betroffenen etwa 30 Konzerne gelten dürfte. Geben diese beiden Gesetze aber ausdrücklich als ihr – eigentliches Ziel die Beseitigung übermäßiger wirtschaftlicher Machtkonzentrationen. an, so wäre eine ähnliche Bezeichnung wohl auch für die vierfache Konzernausgliederung zutreffend. Denn in dem gegenwärtigen Stadium der Dinge schon, von einer "Sozialisierung der Stahlindstrie" zu sprechen, erscheint reichlich verfrüht, ganz ab gesehen davon, daß zu unterscheiden ist zwischen dem, was die Besatzungsmacht durch ihren Auftrag an die Treuhandverwaltung als ihren Willen zum Ausdrude brachte, und dem, Was nun von mancher anderen Seite als Ziel bereits dieser Maßnahmen angesehen und im Ergebnis trotz – oder gerade wegen – seiner Vorläufigkeit stark kritisiert wird. Eine "Sozialisierung" ist nicht mit dem Wechsel von Besitzrechten aus privater in eine andere ("Treu"-) Hand vollendet oder damit, daß statt bisheriger Konzernverflechtungen eine Bindung an eine wie immer geartete sonstige Stelle eintritt. Auch damit, daß Betriebsverfassung und Betriebsverwaltung dieser Hüttenwerke in Zukunft vonden Arbeitern mitgestaltet und geordnet werden sollen, ist wohl erst ein Ansatzpunkt geschaffen, im übrigen aber klar und deutlich gekennzeichnet worden, daß Sozialisierung ebenso wie Sozialismus nicht ein durch wirtschaftliche oder rechtliche Konstruktionen konstituierbarer Zustand, sondern viel-, mehr eine Aufgabe ist,-die im Laufe der Zeit ihre Erfüllung durch ehrliche, allseits vertrauensvolle – und gerade unter den heutigen Verhältnissen nicht anders als auch opferbereite Zusammenarbeit einer schrittweisen Lösung entgegengeführt werden kann. Mit der Überführung; der Betriebe in Gemeinbesitz" ist – selbst wenn so in diesem Falle geschehen wäre – zwar ein Schritt getan. Aber er kann an sich ebenso gut beim Staatskapitalismus wie beim Sozialismus enden, Darum sollte eine durchaus noch nicht abschätzbare Entwicklung nicht mit Bezeichnungen, belegt werden, die in vielen Köpfen an sich schon mit nicht gerade besonders konkreten, sondern oft nur recht an der Oberfläche haftenden Vorstellungen verbunden sind. –oe–