Europa ist krank. Ob es gesunden wird, ob es den Wegzu einem freien, frohen, selbstbewußten Schaffen zurückfinden wird, hängt nicht nur von den äußeren Umständen, sondern vielleicht in noch höherem Maße von uns ab, ob wir Europäer uns von den lähmenden Schreckgestalten unserer geistigen Vergangenheit lösen können. Die Schriftenreihe im Verlag Kurt Desch. München, "Europäische Dokumente", herausgegeben von Rudolf Schneider-Schelde wollen einen Beitrag zu dieser geistigen Erneuerung bieten. Bringen uns diese Büchlein Klarheit oder stürzen sie uns tiefer in Zweifel und Unsicherheit hinab? Heft 5 bringt Die Frage derJugend, eine Sammlung, von Aufsätzen, Berichten, Briefen und Reden. Liest mandiese Äußerungen der Vertreter der verschiedensten Richtungen und Altersklassen, so vertieft sich wohl die Erkenntnis der Größe der Aufgabe, die Jugend mit neuem Mut und neuem Leben zu erfüllen: ein Weg wird kaum sichtbar. Noch stärker tritt dieser Eindruck aus der Schrift Gerhard Szczesny "Europa und die Anarchie der Seele", hervor, die wenig Ausblicke eröffnet. Erwin von Aretin: "Die Verfassung als Grundlage der Demokratie", hat sich von Anfang an auf einen bescheideneren Rahmen zurückgezogen, indem sie sich auf eine Darstellung und einen Vergleich der Verfassungvon vier vorbildlichen Demokratien beschränkt: die Vereinigten Staaten, England, Frankreich und die Schweiz. Zusammenfassend wird dann mit Recht gewarnt, selbst anderswo erprobte Demokratien zu übernehmen. Aus uns selbst muß die deutsche Freiheit erwachsen, aber dazu wollen wir so viel wie möglich von anderen lernen.

M.