Die Frage der Eisenpreise, seit etwa einem Jahr in der Öffentlichkeit aufgeworfen und diskuriert, ist erneut in das Stadium ernsthafter Erwägungen bei den zuständigen deutschen Stellen gerückt. Daß die Werke der eisenschaffenden Industrie – wie auch der Bergbau und andere Zweige vor allem der Grundstoffindustrien – mit Verlust arbeiten, liegt angesichts der unzureichenden Produktion, der Umstellung auf den ausschließlichen Einsatz von eisenärmeren Inlanderzen und Schrott im Hochofenmöller, des ernährungsbedingten Leistungsrückganges und der Erhöhung der allgemeinen, und fixen Kosten auf der Hand. Der monatliche Verlust der Werke im Westen wird auf etwa 15 Mill. RM beziffert, eine Summe, die durch die Heranziehung von Reserven, z. T. aber auchbereits durch Aufnahme von Schulden flüssig gemacht werden mußte. Die Anwendung des Mischpreisprinzips – die Poolung verschiedener Preise mit Gewinn oder Verlust innerhalb des gleichen Unternehmens – ist nicht mehr möglich, weil die weiterverarbeitenden Stufen selbst notleidend und aus den gleichen Gründen wie die Rohstoffbetriebe unrentabel geworden sind, sofern sie nicht überhaupt stilliegen.

Die Kapazitätsausnutzung der Eisen- und Stahlwerke in der britischen Zone beträgt im Durchschnitt etwa 26 v. H., setzt man das verbliebene Erzeugungsvolumen nach Abzug der zur Demontage, bestimmten oder seit Oktober stillgelegten Betriebe mit noch 9 Mill. t für Rohstahl an. Sie beläuft.sich auf nur 12,4 v. H., wenn man die im englischen Unterhaus vor kurzem genannte Zahl einer Kapazität von 19,7 Mill. t Rohstahl für die Werke der britischen Zone zugrunde legt, eine Zahl, die aber in jedem Falle weitaus zu hoch gegriffen ist Wie dem auch sei – die Errechnung von Kapazitäten ist immer mit gewissen Schätzungen verknüpft –, Tatsache ist; daß sich die Pro-Kopf-Leistung 1946 auf etwa 35 t stellte gegenüber 127 t im Jahre 1927 und 105 t. im Jahre 1935. Früher bereits gemachte Vorschläge für eine Preisänderung wiesen auf die Tatsache hin, daß der im Jahre 1932 festgelegte’ und seitdem unverändert beibehaltene Stabeisenpreis von 115 RM je Tonne Frachtbasis Oberhausen 22 v. H. unter dem Stande von 1929 liegt, bereits im Jahre 1938 dagegen der englische Stabeisenpreis 44 v. H., der französische 45 v. H. und der amerikanische 28 v. H. über den entsprechenden Vergleichpreisen. Nach dem Kriege sind sowohl die englischen als auch die amerikanischen Preise weiter erhöht werden.

Wie hoch die gegenwärtigen Selbstkosten für die Tonne Rohstahl auch liegen mögen – vor einiger Zeit wurde ihre Steigerung mit 64 RM angegeben der jetzt in Rede stehende Preisaufschlag von 50 RM je Tonne deckt die Selbstkosten wohl jedenfalls noch nicht. Sollte er genehmigt werden, wozu auch das Einverständnis des Alliierten Kontrollrat“ notwendig ist, so kann es sich nur um eine provisorische Lösung handeln, die erst dann als endgültig anzusehen wäre, wenn durch eine Steigerung der Erzeugung, Verbesserung der Kostenverhältnisse für Einsatzmaterial und Verarbeitung und vor allem durch eine stetige Entwicklung die Voraussetzungen dafür gegeben sind, wieder planen, kalkulieren und wirtschaftlich rechnen zu können. An alledem fehlt es aber noch im Augenblick. Sf.