Die Reise der englischen Königsfamilie durchSüdafrika hat sich zu einem Triumphzuge entwickelt.Die echte Popularität, deren sich die Besucher vor allem in der weißen Bevölkerung ihres Gastlandes erfreuen, ist im letzten das Ergebnis jener Politik weiser Mäßigung; die England einem besiegten Volke gegenüber einmal bewiesen hat,und die es vermochte, dieses Volk sogar die Konzentrationslager des Burenkrieges allmählich vergessen zu lassen. Diese maßvolle Poiltik hat damit zugleich das Modell für jene Haltung von Siegernationen abgegeben die der einstige Anführer der Buren und heutige Ministerpräsidentvon Südafrika, Smuts, den alliierten Mächten auch im Falle Deutschlands empfohlen hat. Der britische Souverän, der heute auf seiner Fahrt durch die weiten Landstriche der Union von Südafrika so gefeiert wird, ist Mitglied der gleichen Dynastie, die vor noch nicht einem halben Jahrhundert von den Buren als Landesfeind empfundenwurde. Seitdem hat schon in zwei Weltkriegen Südafrika an der Seite Englands gestanden und in der Umwandlung eines ehemaligen Gegners in einen Bundesgenossen die gleiche Erfahrung bestätigt, die ein halbes Jahrhundert zuvor die Staatskunst Bismarcks in Nikolsburg im österreichischen Falle erbracht hatte.

Heute genießt die Union von Südafrika im internationalen Leben eine Stellung, die weit über das hinausgeht, was allein schon die Bevölkerungszahl einem Staat an Bedeutung mitzugeben pflegt. Darüber hinaus befindet sich das Land – und das britische Königspaar wird dies als Eindruck seiner Reise mitnehmen können – auch wirtschaftlich in einer Blüte, wie sie zur Zeit auf dieser Erdkugel eigentlich nur noch in USA angetroffen werden kann.

Die Probleme, von denen dennoch auch Südafrika nicht frei geblieben ist, haben ihren Grund fast ausschließlich in der bevölkerungspolitischen Struktur des Landes, Eine Schicht von nur wenigen Millionen Weißen steht dem Zwanzigfachen an Schwarzen und seit 1860, vor allem in Natal, auch einem nicht unerheblichen Kontingent an eingewanderten Indern gegenüber. Zu den rassischen Gegensätzen haben sich in unserem Jahrhundert auch zunehmend die sozialen gesellt. Die Politik der Weißen, der „Afrikander“, sieht sich mit ihrer obersten Maxime: „Südafrika – weißen Mannes Land“, angesichts der Entwicklung des Farbigenproblems in die Verteidigung gedrängt, – wenn sie auch, wie in der Landgesetzgebung; versucht, diese Verteidigung offensiv zu führen. Es hatte jedenfalls seinen besonderen Sinn und seinen durchaus aktuellen Grund, wenn Georg VI. in seiner Begrüßungsansprache in Kapstadt unter besonderer Erwähnung der unter der Führung von Marschall Smuts durch die Südafrikaner gezeigten staatsmännischen Fähigkeiten erklärte: „Ich bin überzeugt, daß diese staatsmännische Begabung in Zukunft zu gerechten und zufriedenstellenden Lebensverhältnissen zwischen allen Bewohnern des von so verschiedenartigen Völkern bewohnten Landes führen wird. In der Erreichung dieser Lebensverhältnisse können Sie der verwirrten Welt beweisen, wie Völker verschiedener Rasse und Farbe zum Wohle des gemeinsamen Ganzen zusammenleben.“ –tz