Die vorletzte Woche hatte mit einem auf Baisse gestimmten Markt geschlossen, vor allem auf den Gebiet der Schwerindustrie. Der Kursdruck setzte sich an den drei Börsen der britischen Zone auch in den ersten Tagen der vergangenen Woche zunächst noch fort, um allerdings zum Wochenschluß, der mit dem Monatsultimo zusammenfiel, einer freundlicheren Tendenz zu weichen. In Süddeutschland war der Kurseinbruch von Anfang an nicht so stark gewesen wie im Norden. Allerdings sind die süddeutschen Umsätze so gering, daß die notierten Kurse vielfach nur als Zufallsergebnisse gewertet werden können. So betrug beispielsweise der Gesamtumsatz des Münchener Aktienmarktes am vergangenen Mittwoch nur 30 000 RM, davon je 9000 RM für den Stahlverein und die Gutehoffnungshütte.

In Hamburg haben, die meisten Schwerindustriewarte, allen voran die Gutehoffnungshütte und Stshlverein, nach den anfänglichen starken Verlusten wieder aufholen können. Gutehoffnungshütte, in der Vorwoche 262 notiert und vorübergehend auf 247 gefallen, holten auf 254 auf. Vereinigte Stahlwerke machten weniger große Schwankungen durch. Nach 131 in der Vorwoche sank der Kurs vorübergehend auf 126, um am Wochenende wieder 128 1/2 zu erreichen. Ähnlich verlief die Kurskurve auch für die meisten anderen Schwerin industriewerte.

In Berlin ist eine Liste von etwa 70 in sowjetisches Staatseigentum überführten deutschen Betrieben veröffentlicht worden, die allerdings noch nicht abgeschlossen ist. Sie enthält so bekannte Unternehmen wie Sachsenwerk Licht- und Kraft-AG; Vogel Draht- und Kabelwerke, Rheinmetall-Borsig mit dem Werk Sömmerda, AEG mit dem Kabelwerk, Oberspree und Maximilianhütte. Von den Aktien dieser Unternehmen werden z. Zt. nur die AEG und Rheinmetall-Borsig an den deutschen Börsen gehandelt. AEG hielten in Hamburg zuletzt 129, in Frankfurt 126 1/2. Rheinmetall-Borsig in Hamburg 107, in Frankfurt 105. Einige weitere Kurse: BMW 123 1/2, Mannesmann Vorzugsaktien III, Schultheiß Stammaktien 142, Reichsbankanteile 115 1/2, Commerzbank 106, Deutsche Bank 91.

Der Pfandbriefmarkt verzeichnete mäßige Umsätze bei gut behaupteten Kursen. Deutsche Centralboden Januar/Juli 94, Meininger Hypothekenbank August/Oktober 95 und Januar/Juli 93 3/4.

Auf der Internationalen Londoner Schiffahrtskonferenz erklärten skandinavische Schiffseigentümer, daß für eine internationale Frachtenvereinbarung die Zeit noch nicht reif sei.

Während sich in der sowjetischen Zone die Schuhproduktion im Januar 1946 auf 1 Million Paar belief, stieg sie im Dezember 1946 auf 1,7 Millionen Paar.