Schweigend hat Mr. Hoover, der Sonderbeauftragte des Präsidenten Truman, die Darlegungen über Ernährungslage und Produktionsverhältnisse in der britischen und in der Amerikanischen Besatzungszone angehört; schweigend ist er in die USA zurückgekehrt. Nur in einem Punkt, der allerdings von größter Bedeutung ist, hat er eine bestimmte Zusage gegeben: Wir werden für das im Herbst 1947 beginnende neue Wirtschaftsjahr ausreichende Mengen. an Stickstoffdünger aus der voll laufenden Erzeugung der Werke in den USA erhalten, soweit die deutschen Fabriken noch nicht wieder in altem Maße lieferfähig sein werden.

Stickstoff ist, um im Stil unseres großen Betriebslehrers Aereboe zu sprechen, „ein starker Hebel der ackerbaulichen Erzeugung“. Daß mit reichen Stickstoffgaben allein noch keine Vollernten zu schaffen sind, wissen wir freilich; Stalldünger ist hierfür ebenso unentbehrlich wie eine „entsprechende“ Versorgung mit Kali, mit Phosphorsäure. auch mit Kalk. Aber da die Kaligruben (wenn auch überwiegend in der Sowjetzone gelegen). betriebsfähig sind, und da wir hoffentlich mit steigender Eisenerzeugung auch etwas mehr Thomasschlacke, also phosphorsäurehaltige Düngemittel, erhalten werden, ist für die Erstellung der Ernte von 1948 eine gewisse Hoffnung gegeben. Wir werden vom Herbst dieses Jahres an, was unsere Brotgetreideversorgung angeht, nicht mehr in bisherigem Umfang Kostgänger der USA und (finanziell) auch Großbritanniens zu sein brauchen. Nur ein Fünftel bis ein Sechstel der Summen, die für die Getreideeinfuhr aufzuwenden sind, werden gebraucht, um den gleichen Produktionserfolg zu erzielen, wenn Stickstoff statt Weizen hereinkommt.

– Ist aber erst einmal eine ausreichende Kunstdüngerversorgung gegeben, so kann jedem landwirtschaftlichen Betrieb, der sein Ablieferungssoll: erfüllt, nach einer Art „Punktsystem“ eine Prämie, durch Einräumung – eines Bezugsrechts auf Kunstdünger gegeben werden. So könnte, der Stickstoff nochmals in einem anderen Sinne als „starker Hebel der Erzeugung“ eingesetzt werden – und vor allem als Hebel der Ablieferung –

Außerdem ist zu erwägen, ob man nicht die Ernten an Gemüse und Obst – ganz oder doch zu einem wesentlichen Teil – aus der Zwangserfassung und -bewirtschaftung freilassen konnte, um so dem Landwirt etwas in die Hand zu geben, über das er frei verfügen kann, um sich im Wege, des legalen Tausches bei seinen Lieferanten in Gewerbe, Handwerk und Industrie die erforderlichen Betriebsmittel zu beschaffen. Die Zeit für eine solche Maßnahme, für den ersten Schritt aus der Zwangswirtschaft heraus, scheint nunmehr gekommen zu sein.

Den stärksten Hebel zur Produktionssteigerung aber könnte unter den heutigen Verhältnissen ein beschleunigter Ausbau des ländlichen Beratungswesens abgeben. Die Ertrags- (und Ablieferungs-) unterschiede zwischen vergleichbaren landwirtschaftlichen Einheiten sind heute so groß wie nie zuvor: Der tüchtige Wirt schafft, verglichen mit den am schlechtesten arbeitenden Betrieben, das Zehn- bis Zwölffache an Erträgen. Wo Vergleich, Beispiel und Belehrung versagen, muß der untüchtige, leistungsschwache Bauer und Landwirt ausgeschaltet werden; die gesetzlichen Handhaben dafür sind gegeben und ohne größere Mühe noch weiter wirkungsvoll auszugestalten? Der Erfolg solcher Maßnahmen kann auf produktionspolitischem Gebiet erheblich größer sein, als die Ertragssteigerungen es seinerzeit gewesen sind, als die Anwendung des Kunstdüngers allgemein wurde.

E. T.