Das Theater der Jugend hatte die Premiere vonGoldonis „Diener zweier Herren“ auf eine der Jetzt in München so beliebt gewordenen Polarnächte gelegt. Schon den ganzen Tag über bereiteten Straßenbahnstörungen auf den festlichen Augenblick vor. Aber als er dann da war, hatten sich auch die Elektrizitätswerke noch eine Extraüberraschung ausgedacht:es war kein Strom da. es brannte kein Licht. Eine motorisierte Stafette zitierte endlich, mit Fleh- oder Machtwort, das Licht herbei. In diesem Augenblick schoben sich die Frierbesucher, gründlich und halb verdrossen, in den Saal hinein. Um ihnen den interessanten zeitgemäßen Ausdruck nicht zu schmälern, war. dort nicht spürbar geheizt. Wie sehr kam aber das, als Kontrastwirkung, der Szene zugute! Denn dort oben regierte ja Goldoni, Venedig, Italien, o sole miol Es begann zwar nicht sogleich; denn in lichtloser Polarnacht hatten sich die Spieler nicht schminken können; sie wären sonst wohl in spätexpressionistische Exzesse verfallen; die der auf harmlose Heiterkeit gestellten Inszenierung schwerlich entsprochen hätten. Endlich fing es dann aber doch an, und unter zweckmäßiger Kürzung der Pause kam man flott in die leckere Servierszene mit den Krammetsvögeln hinein, und beim Pudding (Pluddling! hat „damals“ Hermann Thimig den zärtlich betätschelten genannt) ... und beim Pluddling wieder hinaus.

Unsern ganzen Neid den Darstellern, denn, sie durften sich mit südlicher Leidenschaftlichkeit fortwährend bewegen, während wir Stillesitzer, seelisch ganz bei der Sache, leiblich Zusehens vergletscherten. Nachdem auch wir also redlich versucht haben, Diener zweier Herren zu sein, wovon der eine eine verkleidete Dame ist – die Kunst – der andre ein desto rauherer Mann – der Frost –, möchten wir uns erkühnen vorzuschlagen, alle Commedien mit oder ohne Arte doch auf etwas gelegenere Jahreszeiten zu verschieben. Heroisch auch noch als Theaterbesucher – nein, das ist zu viel0

Hanns Braun