Der Kulturrat der Stadt Hamburg ernannte den Maler Karl Hofer, den Bildhauer Gerhard Marcks, den Musikpädagogen FritzJöde, den Dichter Hans Henny Jahnn und den um Hamburgs geistiges Leben so verdienten Theaterdirektor und Schauspieler Erich Ziegel zu Ehrenmitgliedern. Nachstehend das Schreiben Erich Ziegels, mit dem er für seine Ernennung dankt.

Sehr verehrte Herren!

Daß Sie mich, nach 13 Jahren der Trennung, nicht vergessen haben und mir für meine Arbeit und mein Streben die „Ehrenmitgliedschaft des Hamburger Kulturrats“ verleihen, hat mich tief bewegtund hoch geehrt.

Es ist ein wunderschönes Gefühl, zu erfahren, daß mein Versuch, all bescheidener, aber treuer und leidenschaftlicher Diener an wahrer menschlicher Kultur mitgearbeitet zu haben, nicht ganz vergeblich gewesen zu sein scheint und daß – auch nach diesen Jahren der Hölle – das Erinnerungsbild meines Wirkens noch nicht ganz verblaßt ist.

Ich brauchewohl kaum zu sagen, mit welcher Freude und welchem Stolz ich diese Ehrung meiner Person annehme.

Als ich am 26. August 1916 – ich weiß das Datum noch, weil es mein Geburtstag war – in Hamburg eintraf, ahnte ich nicht, daß diese damals so wunderschöne Stadt meine, unsere eigentliche Heimat werden sollte. Wir kannten sie nur von flüchtigen Aufenthalten auf der Durchreise nach Helgoland (!) oder Sylt.

Zwei Jahre später – fast auf den gleichen Tag – eröffneten wir die „Hamburger Kammerspiele“ am Besenbinderhof mit einer Frank-Wedekind-Woche zum Gedächtnis des einige Monate vorher verstorbenen Dichters. Der Rahmen war ein bißchen schäbig und ein bißchen romantisch, aber die Vorstellungen durchbrachen bei der geistigen Elite den Bann des Mißtrauens.