Die Hoffnung auf eine Prosperität des Welthandels ist dahin, der privaten Initiative wird im Außenhandel die Grundlage entzogen und der Friede ist gefährdet, wenn die Nationen ihre Politik des Protektionismus fortsetzen und niemand bereit ist, Konzessionen zu machen und Verpflichtungen einzugehen" – so rief der amerikanichePräsident Truman in einer Rede in Waco (Texas) seinen Landsleuten zu. Scharf geißelte er die Politik der 30er Jahre: Der Hawley-Smoot Zolltarif, die Aufgabe des Goldstandards, die Ottawa-Konferenz und die Nazimethoden der Handelspolitik bedingten sich gegenseitig, verschärften die Gegensätze und führten zum Wirtschaftskrieg. Damit erkannte Truman zugleich, wie vor ihm schon Hull und andere Amerikaner, die Mitverantwortung Amerikas an diesem Wirtschaftskrieg an.

Eine internationale Handelsorganisation (ITO) soll nun im Rahmen der UNO geschaffen werden, um eine Wiederholung der Politik der 30er Jahre zu verhindern und die Freiheiten des internationalen Güterverkehrs zu sichern. Diese ITO, ein geplantesWelthandelsgesetz und Zollabbauverhandlungen sind die Tagesordnung der zweiten Tagung des vorläufigen Ausschusses der Konferenz für Welthandel und Beschäftigung, die am 10. April in Genf zusammentritt.

Dieser Appell Trumans ist einmal an die Amerikaner gerichtet. Amerika hat sich selbst noch nicht freigemacht von der von Truman so scharf gegeißelten protektionistischen Politik. Hohe Zölle, Exportsubventionen – (wie für Baumwolle) und monopolartige Marktorganisationen (wie für Weizen) kennzeichnen die Lage. Die gesetzgeberische Verantwortung liegt außerdem bei der traditionellen Partei des Hochschutzzolles, bei der republikanischen. Groß ist somit die Gefahr, daß die zur internationalen Zusammenarbeit bereite demokratische Regierung Truman in ihrer Politik durch die republikanische Mehrheit des Kongresses gehemmt wird. Im Moment ist zwar über den Kompromißvorschlag einer Ausweichklausel, die eine Rücknahme von Zollkonzessionen für besondere Fälle vorsteht, eine Verständigung zwischen den maßgeblichen Republikanern und der Regierung Truman herbeigeführt worden. Aber die hochprotektionistischen Kreise lassen nicht locker, und die Öffentlichkeit steht noch zu sehr im Banne der Ideologie des wirtschaftlichen Isolationismus und seiner Schlagworte wie des, daß nur hohe Zölle hohe Löhne ermöglichen.

Trumans Appell richtete sich ferner an die Sowjetunion. Mit dem russischen Außenhandels-Monopol, diesemempfindlichen Schönheitsfehler einer Weltwirtschaft alten Stiles haben sich die USA zwar abgefunden, aber weiterhin wenden sie sich in schärfster Form gegen die Art von Handels-Vertragen, die die Sowjetunion mit ihren Nachbarstaaten abgeschlossen hat, und die diese Gebiete fast hundertprozentig in die wirtschaftliche Einflußzone Rußlands einbeziehen.

Noch stärker als an Rußland wendet sich der Appell an Großbritannien, das weltwirtschaftlich mehr besagt als die Sowjetunion. Die Ottawa-Verfrage mit ihren Vorzugszöllen im Verkehr zwischen Großbritannien und den überseeischen Teilen des Weltreiches, sind ein Stein des Anstoßes. Ein anderer ist die Einfuhrpolitik Großbritanniens, der Massenaufkauf wichtiger Welthandelsgüter durch Organe monopolartigen Charakters.

Von der gegenwärtigen rauhen Wirklichkeit der Außenhandelsmonopole, Kompensationsverträge und hohen Schutzzölle ist es ein weiter Weg bis zu dem von Truman in Waco aufgezeigten Ideal der freien Weltverkehrsgesellschaft. Vielleicht wird auf der kommenden Genfer Tagung mancher resigniert sagen, daß auch für diese freie Weltverkehrsgesellschaft die Worte gelten: Das gibt’s nur einfiel, das kommt nicht wieder, das war zu schön, um wahr zu sein. drgr.