Mit Ungeduld warten die Statistiker auf die Einzelergebnisse der Volkszählung vom 30. Oktober 1946 – und nicht nur die Statistiker; denn diese erste Bestandsaufnahme des wichtigsten Subjekts und Objekts unseres Staats- und Wirtschaftslebens, der Menschen selbst, bildet die Unterlage für unzählige Planungsentscheidungen auf allen Lebensgebieten.

Bereits vor einigen Wochen wurden die Gesamt Ziffern der vier Zonen und Berlins veröffentlicht, aufgeteilt nur nach Geschlechtern. Dabei zeigten sich auffällige Verschiedenheiten. Der Anteil der

Aufschlußreicher sind die nachstehenden Ziffern für das französisch besetzte Südbaden, da sie einen Vergleich mit den Vorkriegsverhältnissen ermöglichen und den Altersaufbau der Bevölkerung wenigstens in großen Umrissen erkennen lassen. Zunächst fällt auf, daß die Bevölkerung um 30 000 Köpfe, also um 2,5 % zurückgegangen ist... Der große Strom der Umsiedler, der die Bevölkerung der Landgebiete im übrigen Deutschland vielfach nahezu verdoppelt hat,-ist also offenbar nicht bis Südbaden gelangt. – Stellen wir aber die für uns heute wichtigste Frage: welcher Teil der Gesamtbevölkerung ist arbeitsfähig?, so kommen wir zu erschütternden Ergebnissen: der Anteil der über 66jährigen ist von 7,9 auf 8,9 % gestiegen, derjenige der über 50jährigen von 22,8 auf 25,5 Die "Vergreisung" hat also zugenommen. Die für die nationale Arbeit wichtigste Altersgruppe, die 18–50jährigen, machen nur noch 42,1 % der Gesamtbevölkerung aus gegen 45.8 % 1939. Während nun innerhalb dieser Altersgruppe vor dem Kriege auf, 47 Männer 53 Frauen entfielen, stehen heute 66 Frauen nur 34 Männern, gegenüber. Berücksichtigt man, daß sich Unter diesen 34 % Männern auch noch einige Prozente Kriegsversehrte befinden, die teils, arbeitsunfähige teils nur beschränkt arbeitsfähig sind, so wird erschreckend üblich, wie furchtbar der Krieg die deutsche Arbeitskraft geschwächt hat und welche Arbeitslast für die nächsten Jahrzehnte auf die Schultern der deutschen Frau gelegt ist: Wie im Ausland behauptet werden kann, Deutschland habe die Bevölkerungsschlacht gewonnen, ist unerfindlich.

Blicken wir auf den Nachwuchs, so wird das Bild etwas erfreulicher.Der Anteil der Jugendlichen unter 14 Jahren ist von 24 auf 25,6 % gestiegen; in den nächsten. Jahren wird also eine normale Anzahl von Jugendlichen in das Arbeitslebeneinrücken. Im einzelnen spiegeln die Ziffern das Auf und Ab in der Politik des Nationalsozialismus wider. Zunächst hat sich die Geburtenpropaganda und -förderung ausgewirkt: die 6–10jährigen, also die 1936–1940 Geborenen, machen heute 8,3 % der Gesamtbevölkerung aus, während es 1939 nur 6,3 % waren. Dann kam Adolf Hitlers selbstmörderischer Krieg. – und der Anteil der unter 6jährigen, Also der seit 1940 Geborenen, ist bereits von 10,9 auf 10,4 % gesunken kein Zweifel, daß gerade diese Ziffer in den nächsten Jahren rapide zurückgehen wird. – Was nun aber die verbreitete Behauptung anlangt, dank einer geheimnisvollen Selbststeuerung der Natur würden im und nach dem Kriege mehr Jungen geboren als in gewöhnlichen Friedenszeiten, so laßt sich aus den badischen Ziffern eine-solche Erscheinung nicht nachweisen: 1939 und 1946 war unter den weniger als 6. Jahre alten genau der gleiche Prozentsatz, nämlich 50,9 %, männlichen Geschlechts. W–d