Amerikanische Oper in Berlin

Deutschland hat bisher eine einzige amerikanischeOper kennengelernt: "Transatlantik" von Georges Antheil. Das war Vor rund zwei Jahrzehnten in Frankfurt am Main. Jetzt folgt die Berliner Staatsoper mit "Amelia geht auf den Ball" von Gian Carlo Menotti (Die dritte amerikanische Oper wird "Die alte Jungfer und der Dieb", ebenfalls von Menotti sein, die von Mannheim vorbereitet wird.).

Menotti, gebürtiger Amerikaner, stammt von italienischen Eltern ab. Wüßten wir es nicht, wirerführen es durch sein Werk. Der unruhig-komödiantische Geist der alten comedia del> arte juckt ihn in allen Fingerspitzen, und die Lust am Spiel mit Figurinen, die an seinen Drähten ihre Possen treiben, erfüllt ihn ebenso wie die Freude an der Parodie. Aber er ist nur ein Halbbruder des geistreich schmunzelnden Ermano Wolf-Ferrari oder des sarkastischen Ferruccio Busoni, die dem GeistGoldonis und Galuppis näher sind. Menotti übersteigert die delikate Komik der opera buffa zur gröberen des – Opernsketches, der am Ende der zwanzigerJahre in Kreneks "Schwergewicht", Weills "Royal palace" und Hindermiths "Neues vom Tage" ein kurzfristiges Leben führte: Der bloße Sketch überdeckt bei Menotti immer wieder die Komödie, die – in ihm steckt. Daran ist vor allem der Text schuldEr will Parodie sein, aber er entwickelt sich cum forcierten Jux.

Als Librettist schlägt Menotti über die Stränge. Als Musiker ist er ein trefflicher Parodist. Wo er die Nummernoper treffen will, hat er seine besten? Einfälle. Er kennt den Mechanismus von Rezitativ, Arie und Ensemblesatz, von Handlungsbewegung und lyrisch-musikalischer Ausbreitung. Ihn deckt er auf. Mit der Miene des spitzbübischen Schlaumeiers. Und so läßt er auf das rezitativische Stichwort wie durch den Druck auf ein Federwerk die Arie oder den Ensemblesatz losschnurren, so in dem Duett zwischen Amelia und ihrer Freundin, so in dem köstlichen Terzett Amelia-Gatte-Liebhaber oder in Amelias ariosem Stoßgebet mit dem parodistisch inbrünstigen Schlußseufzer: "Laß mich zum Ball": Aber auf dieser Höhe hält sich die manchmal etwas vulgäre Musik leider nicht immer.

Die Berliner Staatsoper hat die komische Oper im Sinne des parodierten Kintopps von 1910 mit Irma Beilke, Kurt Rehm und Kurt Schüller in den Hauptrollen aufgezogen. Die kräftig auftragende Regie führte Wolf Völker, die musikalische Leitung hatte der tüchtige junge Dirigent Georg C. Winkler. Kurt Westphal

Professor Günther Ramin, der... Leiterdesberühmten Thomanerchors in Leipzig, – ist für den kommenden Herbst nach Moskau eingeladen worden. Auch in die Schweiz bereitet der Chor eine Konzertreise vor.