Von Mohsin Ali, Bombay

Daß der für das Jahr 1948 vorgesehene Abzug der Engländer aus Indien das neue selbständige Land mit seiner Vielzahl von Völkern und Religionen vor schwere. Probleme stellen wird, erfüllt einsichtige Inder wie Freunde und Kenner, des indischen Volkes mit tiefer Sorge. Nur einer starken, auf breitester Grundlage ruhenden Regierung kann es gelingen, der unabsehbaren Schwierigkeiten und widerstrebenden Kräfte Herr zu werden. Der nachstehende Bericht beleuchtet nur einen winzigen Ausschnitt des riesigen Reiches, doch läßt er bereits die Verworrenheit ahnen, die durch den Gegensatz von Traditionsgebundenheit und politischem Übereifer entsteht. Autorisiert durch Reuter, London.

An der Küste des Arabischen Meeres, im Norden von Bombay, liegen 260 Dörfer zwischen den Hügeln verstreut, und von 150 000 Einwohnern ertönt der Ruf: Gebt uns unsere Königin zurück! – Für den Stamm der Warlis, der diese Dörfer bewohnt, wird Rani – Königin – Godavari mit der "La! Jhanda" – der roten Flagge – wie eine Göttin verehrt; für die Regierung in Bombay aber ist sie Mrs. Godavari Parulekar, eine kommunistische Agitatorin,

Wie ist sie nun Königin geworden, und warum ist ihr Name so einflußreich? Warum und wie regiert sie ihre Untertanen? Die Antwort hierzu liegt in ihrer eigenen Persönlichkeit und den Charaktereigenschaften der Warlis. Diese Eingeborenen, Abkommen der Ureinwohner Indiens, sind alle Handarbeiter, die in den Wäldern und Reisfeldern ihre Beschäftigung finden. Sie sind weder des Schreibens noch Lesens kundig, noch kennen sie eine politische Treue. Sie lieben ihren "Toddy", eine Art süßen Grog, den sie aus den Palmen gewinnen, und sind ein friedliches Volk. Sogar heute, wo sie sich entschieden auf dem Kriegspfad befinden, scheuen sie Mord; denn während es oft vorkam, daßsich Großgrundbesitzer und ihre Agenten vom Volk mißhandelt sahen, wurde bei ihnen nie jemand umgebracht.

Während der letzten sechs Wochen haben diese Eingeborenen eine Wirtschaftskrise herbeigeführt und die Regierung der Provinz paralysiert. Denn sie verlangten, daß das Land ihrer Aktien, das durch Generationen hindurch in den Händen der Großgrundbesitzer gelegen hat, an sie zurückgegeben werde. Als Resultat des "Warliaufstandes" sind die Holzfällarbeiten in den dichtbewaldeten Hügeln vollständig zum Stillstand gekommen; riesige Baumstämme liegen im Gelände herum, und die Großgrundbesitzer und ihre Agenten haben sich in die größeren Dörfer zurückgezogen, wo sie sich sicherer fühlen. Niemand wagt sich heute auf Warli-Gebiet, es sei. denn unter – polizeilichem Schutz.

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Der Wadi besorgt alle Arbeit; er fällt die Bäume, sammelt alle anderen Walderträgnisse und transportiert das Holz nach den Eisenbahnzentren. Er pflügt und bepflanzt das Land, sät um erntet – für einen Höchstlohn von vier Annas täglich. Dann schiebt sich sein Gutsherr dazwischen, verkauft die Erträgnisse und steckt den Gewinn ein.