Zu dem Hörspiel Axel Eggebrechts im Rundfunk

Das erstemal seit der Kapitulation ist es geschehen, daß die Publikation eines deutschen Senders ein solches Aufsehen gemacht hat, daß viele Tage lang über sie gesprochen, ja mit Leiden- – schaft diskutiert wurde. Was war geschehen? Mit Geist und Klugheit und in der bei ihm üblichenprägnanten Sprache hatte Axel Eggebrecht ein utopisches Spiel erfunden, etwa nach der Formel: Wie werden sich die Geschicke Deutschlands und Europas in Jahren und Jahrzehnten gestalten, wenn einmal doch der Geist über den Ungeist des Tagesgezänks der nationalistischen und parteipolitischen Bindungen triumphiert? Und indem er alle Parolen von gestern, heute und morgen auftauchen ließ, durcheinander wirbelte, unterstrich und widerlegte, Indem er mit der Sonde der Logik prüfte, was von alledem in die Historie, einzugehen berechtigt sei, ließ Eggebrecht dann sein Land Utopia erscheinen, ein Land, das Zentraleuropa und einen Teil der Sowjetunion umfaßt, das durch keine politischen Grenzen geteilt ist und unter Patronanz der UNO steht, ein Land, in dem es auch keinen Streit zwischen sozialistischer und kapitalistischer Weltanschauung mehr gibt. Eine Utopie,– gewiß, aber, wie Peter v. Zahn – einleitend bemerkte, sind. Utopien oft die Vorläufer späterer politischer Wirklichkeit gewesen.

Das Spiel war ein Erfolg, der dem Autor vollauf zu gönnen war, da er viel präzise Arbeit und viel Herz investierte. Und für ihn spricht dies: daß die Kritik in den Zeitungen einiger Parteien teils grob, teils sanft murrte und eine Zeitung sogar die Frage aufwarf, welcher Partei Axel Eggebrecht eigentlich angehöre. Hier schien zu verstimmen, daß ein Mann von Geist, der parteipolitisch nicht gebunden scheint, eine große Wirkung erzielte, die doch eigentlich nureinem parteipolitisch Abgestempelten zu haben erlaubt sei. Wir anderen freuten uns über dar Spiel. J. R.