vom 13. März bis 19. März 1947

Die Konferenz der Außenminister der Sowjetunion,der Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritanniens und Frankreichs begann am Montag, dem 10. März, im Haus der Flugzeugindustrie in Moskau. Der Vorsitz wird abwechselnd von einem der vier Außenminister geführt. Als erstereinstimmig gefaßter Beschluß wurde die bereits erfolgte Liquidierung des Staates Preußen bestätigt. Bei der Erörterung der Tagesordnung forderte Molotow überraschend, daß das China-Problem besprochen werden solle. Gegen die Erörterung ihrer inneren Probleme erhob die chinesische Regierung Einspruch. Außenminister Marshall erklärte, daß er nicht bereit. sei, an irgendeiner Konferenz über China, auch nicht an einer formlosen Besprechung teilzunehmen. Statt dessen schlug er den Austausch schriftlicher Informationen über China. vor.

Das Programm der Deutschland-Debatte sieht folgende Reihenfolge vor:

1. Entmilitarisierung Deutschlands. 2. Entnazifizierung und Demokratisierung. 3. Erörterung der Wirtschaftsfragen (die ursprünglich als Punkt 1 der in New York für Moskau beschlossenen Tagesordnung genannt worden sind). 4. Reparationen. 5. Verwaltung und vorläufige politische Organisation Deutschlands (unter Punkt 5 sollen auch die künftigen Grenzen Deutschlands behandelt werden). 6. Die Probleme der Verschleppten. 7. Inzwischen vorgenommene territoriale Veränderungenin den einzelnen Zonen.

In der Frage der Entmilitarisierung und Denazifizierung kam es zwischen Bevin und Molotow zu einem scharfen Rededuell Die in der Sowjetunion zurückgehaltenen kriegsgefangenen gab Molotow mit der verblüffenden Zahl von 890 000 an.

Rußlands Reparationsforderung beläuft sich auf 10 Milliarden Dollar. Molotow warf den westlichen Besatzungsmächten Bruch des Potsdamer Abkommens vor, verlangte Aufhebung der Zonenvereinigung Und stellte weitgehende Forderungen auf die – deutsche Substanz und Produktion. – Bidault schlug vor, das Problem der deutschen Übervölkerung durch systematische Auswanderung zu lösen.. Die gleichzeitig in Moskau tagenden stellvertretenden Außenminister gefaßten sich ergebnislos mit Einzelfragen Deutschland und Österreich betreffend und mußten diese ungelöst an die Großen Vier zurückgeben. Im Mittelpunkt steht der geplante Informations- und Beratungs-Ausschuß für alle kleineren Nationen. Auch hierüber wurde keine Einigung erzielt, da die Sowjetunion nicht weiter mitarbeiten will, bis die Frage der Zulassung Albaniens geklärt ist. Auch diese Frage wird den Außenministern wieder übergeben.

Während eineoffizielle Stellungnahme zur RedePräsident Trumans über die amerikanische Außenpolitik noch aussteht, führt die "Prawda", das offizielle Organ der kommunistischen Partei Sowjetrußlands, einen scharfen Angriff auf die "Politik imperialistischer Expansion". "Prawda" kommt zu dem Schluß, daß die gegenwärtigen politischen Führer Amerikas nichts aus der Geschichte gelernt haben, die doch bewiese, daß alle Versuche, eine Weltherrschaft zu verwirklichen, zum Scheitern verurteilt seien.