Die Umstellung auf Friedenswirtschaft, die Notwendigkeit, zerstörte Städte und Industrien wieder aufzubauen, die Sorge um Konkurrenzfähigkeit und Selbstbehauptung veranlassen manche Staaten zu dem Ruf nach mehr Menschen. Da die eigenen nicht reichen, sollen fremde herbei; die Not scheint, nationale Vorurteile zu dämpfen.

England wird wöchentlich 4000 Displaced Persons In Deutschland und in Österreich anzuwerben suchen, um sie in die englische Produktion einzureiben.

Frankreich, das zwischen 1921 und 1930 bereitsfest zwei Millionen Einwanderer aufsog, erklärte durch seinen Gesundheitsminister, daß es bereit sei, weitere 3,5 Millionen Menschen aufzunehmen. Man denkt an ganze, möglichst junge, Familien, und stellt ihnen die französische Staatsbürgerschaft in Aussicht, "falls sie sich das Vertrauen ihrer Mitbürger erwerben sollten".

Schweden hat einen Ausschuß eingesetzt, der die Möglichkeiten prüfen soll, über die bereits vorhandenen 46 000 Fremdarbeiter hinaus "einer "größeren Anzahl ausländischer Kräfte in Schweden eine Arbeitsgenehmigung zu gewähren".

Brasilien kündigte die Eröffnung, von Einwanderungsbüros in Europa an, mit deren Hilfe es vorläufig 100 000 Fachkräfte ins Land ziehen will. Den gleichen Weg schlägt Argentinien ein. Kanada erbietet sich, einige tausend Displaced Persons aufzunehmen.

Die Maßstäbe bei der Menschensuche haben sich, seitdem Diogenes mit der Laterne am hellen Tage auszog, erheblich geändert; es kommt weniger auf die Persönlichkeit an als auf die geschulten, fleißigen Hände des Facharbeiters, der gebotene Vorteile zu würdigen weiß. Aus abendländischem Erbe hat sich jedoch erhalten, daß der begehrten Arbeitskraft die Freiheit des Entschlusses bleibt, daß sie ja oder nein sagen kann auf Angebot und Werbung jedenfalls wenn diese von jenseits der Grenze kommen.

Es gibt aber eine riesige Zahl von Menschen, die jeglicher Freiheit beraubt und ungefragt in fremde Produktionsprozesse eingegliedert sind: die deutschen Kriegsgefangenen. Sie, die sechs Jahrelang in einem sinnlosen Krieg eingesetzt waren und denen nach dem Zusammenbruch einer ganzen Welt nichts als die Hoffnung auf neuen Anfang blieb, fanden sich wieder als Beutematerial, festgehalten von dem sacro egoismo der Staaten, in deren Gewalt sie sich befanden, und die meinen, ihrer Arbeitskraft nicht entraten zu können. Es sind Menschen unter Zwangsbewirtschaftung.