Die Rede, die Präsident Truman vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses gehalten hat und in der er die Gewährung einer Anleihe von 400 Millionen Dollar für Griechenland und die Türkei forderte, war eine logische Konsequenz der bereits von Roosevelt begonnenen aktiven Weltpolitik der USA, die sich immer mehr von den alten Zielen des Isolationismus entfernt Sie gab auch eine Antwort auf die Frage, die in Amerika viel diskutiert worden ist, wie weit nämlich die Vereinigten Staaten die Positionen übernehmen – sollen, die England in der Welt Räumen muß, gezwungen durch seine augenblickliche finanzielle Lage und durch den Mangel an Arbeitskräften in der Heimat. Das Programm dieser Politik legte die Rede in wenigen Sätzen fest: "Um ein friedliches Gedeihen der Nationen frei von Zwang zu sichern, haben die Vereinigten Staaten eine führende Rolle in der Gründung der UNO übernommen, die dazu dienen soll, dauernde Freiheit und Unabhängigkeit für all ihre Mitglieder möglich zu machen. Wir werden aber unser Ziel nicht erreichen, wenn wir nicht gewillt sind, freien Völkern zu helfen, ihre freien Einrichtungen und ihre nationale Unverletzt barkeit zu erhalten, gegenüber Bewegungen, die versuchen, ein totalitäres Syrern zu erzwingen."

"Totalitäre Regiernugen, die freien Völkern durch direkte oder indirekte Angriffe aufgezwungen werden, unterminieren die Grundlagen das internationalen Friedens und dadurch auch die Sicherheit der Vereinigten Staaten. Einigen Völkern in einer Anzahl von Ländern der Welt ist gegen ihren Willen kürzlich ein totalitäres Regime aufgezwungen worden. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat hiergegen häufige Proteste erhoben gegen Zwang und Einschüchterung, die in Verletzung des Jalta-Abkommens in Polen, Rumänien und Bulgarien vorgekommen sind. Sie mußte auch feststellen, daß ähnliche Entwicklungen in einer Anzahl anderer Länder Platz gegriffen haben."

Ich glaube, daß es die Politik der Vereinigten Staaten sein muß, freie Völker zu unterstützen, die den Versuch einer Unterjochung durch bewaffnete Minderheiten oder durch einen Druck von außen widerstehen. Ich glaube, daß unsere Hilfe in wirtschaftlicher und finanzieller Unterstützung bestehen sollte, soweit sie notwendig ist für eine wirtschaftliche Stabilität und ein geordnetes politisches Leben. Die Welt ist nicht statisch, und der Status quo ist nicht geheiligt, aber wir können keinen Wechsel in diesem Status quo erlauben, der in Verletzung der UNO-Charter geschieht, und zwar durch solche Methoden wie Zwang und durch solche Manöver wie politische Infiltration. Sollten wie es versäumen", so fuhr der Präsident fort, "Griechenland und der Türkei in dieser schicksalsvollen Stunde zu helfen, so würde, das Ergebnis für den Westen, sowohl wie für den Osten" sehr weitreichend sein. Wir müssen sofort und entschlossen handeln."

Es kann gegenüber denjenigen, welche glauben, politische Reden seien dazu da, unter moralischen Motivierungen die wahren egoistischen Beweggründe zu verbergen, nicht ernsthaft genug betont wenden, daß sie die Grundsätze der amerikanischen Politik, so wie sie Präsident Truman verkündet hat, gründlich mißverstehen würden. Wenige Tage vor seiner Kongreßrede, am 6. März dieses Jahres, hat der amerikanische Präsident im Hinblick auf die kommende Genfer Handelskonferenz in der Baylor University, die ihm den Ehrendoktor verliehen hat, eine gleich bedeutungsvolle Erklärung abgegeben.

"Es gibt", sagte er dort, "eines, was die Amerikaner höher schätzen als Frieden, das ist die Freiheit: Freiheit des Glaubens Freiheit der Rede, und Freiheit der wirtschaftlichen Initiative (enterprise). Es muß wahr sein, daß die beiden ersten dieser Freiheiten mit der dritten verbunden sind. Denn in der geschichtlichen Vergangenheit konnte man sich der Freiheit des Glaubens und der Freiheit der Rede am häufigsten in den Ländern erfreuen, die ein bedeutendes Maß von Freiheit der individuellen wirtschaftlichen Initiative gewährten. Freiheit blühte dort, wo die Macht verteilt war, sie war dort verkümmert, wo die Macht zu stark zentralisiert war. So hat unsere Hingabe an die wirtschaftliche Initiative tiefere Wurzelals – den Wunsch, die Profite des Besitzes – zu beschützen. Sie ist ein Teil und ein Stück dessen, was wir Amerika nennen. Die Form eines internationalen. Handels, die am besten zur Freiheit der wirtschaftlichen Initiative führt, ist die, bei der Entscheidungen nicht von Regierungen, sondern von privaten. Käufern und Verkäufern getroffen werden unter angemessenen Sicherungen gegen die Errichtung von Monopolen und Kartellen. Die Form des Handels hingegen, die am wenigsten zur Freiheit der wirtschaftlichen Initiative führt, ist die, in der Entscheidungen durch die Regierung getroffen werden, Das war die Form früherer Jahrhunderte, und wenn wir nicht handeln und entscheidend handeln, wird es die Form der nächsten Jahrhunderte sein."

Niemand wird verkennen dürfen, daß in beiden Reden ein politisches Bekenntnis ausgesprochen worden ist, das von dem weit überwiegenden Teil aller Amerikaner geteilt wird und auch bisher immer geteilt Worden ist, ein Bekenntnis, das deutlich das Gewicht einerWeltanschauung hat. Diese Weltanschauung bestand auch, als Amerika noch am Isolationismus festhielt, neu ist nur ihre Anwendung in der Weltpolitik, zu der sich die Vereinigten Staaten entschlossen haben. Auf dem Welttheater nun trifft Amerika auf einen Gegner, der als Grundlage seiner Politik gleichfalls eine Weltanschauung hat, und zwar eine, die der seinen völlig entgegengesetzt ist: Rußland, Und auchdieser Staat betreibt eine aktive Weltpolitik.