Unter dem Titel "Dokumente des Anderen Deutschland" erschien im Verlag Friedrich Krause, New York,-eine Bücherreihe, der in dem Widerstreit der Meinungen um eine gerechte Beurteilung des deutschen Volkes ein besonderes Gewicht zukommt. Als Herausgeber zeichnete der Verleger selbst. Er nannte es seine Pflicht, "die ihm zur Verfügung stehenden ersten Zeugnisse für den seelischen und politischen Widerstand Deutscher gegen die Nazis innerhalb des Dritten Reiches zu veröffentlichen, um der dem Weltfrieden Verderblichen Mär entgegenzutreten, als ob alle Deutschen Nazis und schuldig gewesen wären; Die Konstruierung einer Kollektivschuld ist undemokratisch und! unchristlich; sie hält keiner ernsthaften juristischen Logik stand; sie bedeutet den Gipfel der Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit Ihre Anerkennung bedeutet die Anwendung einer der giftigsten Nazimethoden durch Leute, die den – Geist des Nazismus für immer zerstören wollen". Von den hier vorliegenden zwei Bänden enthält der eine "Goerdelers politisches Testament", das inzwischen auch in Deutschland schon bekannt geworden ist, ergänzt durch sonstige Bekenntnisse, Briefe-und eine eingehende Würdigung Carl Goerdelers. Der andere heißt "Deutsche Innere Emigration" und andere von Karl O. Paetel gesammelt und erläutert. antinationalsozialistische Zeugnisse und Hitler-Deutschland mit Originalbeiträgen von aus; Zuckmayer und Dorothy Thompson.

"Mehr als zwölf Jahre lang", schreibt Partei bitter, "hat die deutsche antinationalsozialistische Emigration in ihren Gastländern um Gehör gebeten. Man hat nicht auf sie gehört. Man hat ihre Hinweise auf die Existenz eines nichtnationalsozialistischen Deutschland ungeduldig beiseitegeschoben und sechs Jahre lang mit den offiziellen Würdenträgern des ,,Dritten Reiches" zu Tische gesessen ... Keine Widerstandsbewegung in Europa blieb ohne Hilfe der Alliierten. Kerne hätte auch nur einen Bruchteil dessen: was sie geleistet hat, durchfuhren können, ohne die Hilfe der kriegführenden Großmächte. Nur die deutsche Untergrundbewegung blieb ohne jede Hilfe, materiell und psychologisch. Die Initiatoren des 20. Juli 1944 sind die letzten blutigen Zeugen dafür. Und doch gab es einen Widerstand, aktiv und passiv, organisiert und individuell. Es gab die illegalen Kämpfer der linken Bewegung. Es gab den in der Sklavensprache sich zu Wort meldenden Widerstand der Intellektuellen. Es gab den Protest Her christlichen Konfessionen. Es gab die ständig wachsende Rebellion der Jugend. Es gab die ‚Innere Emigration aller derer, die nicht ins Ausland gehen konnten". Aus dem Exilins Reich geschmuggelte Dokumente wurden nicht berücksichtigt. Es bat sich wohl, da das Buch in Amerika entstand, nicht vermeiden lassen. daß auch Persönlichkeiten zitiert werden, die wir in Deutschland Gebliebenen nicht unbedingt zu den Unsrigen rechneten oder deren Integrität inzwischen mehr als fragwürdig geworden ist, während gültigere Stimmen nicht aufgenommen worden sind. Aber im ganzen klingt der hier reproduzierte Chor der offenen und heimlichen deutschen Opposition volltönend und überzeugend. Er reicht von den illegalen Stimmen der Deutschen Volksfront" bis zu den Briefen der "Weißen Rose" und dem Manifest der Münchener Studenten, von – Ernst Wiecherts schon 1935 gehaltener Rede an die deutsche Jugend und Niemöllers letzter Dahlemer Predigt am 27. Juni 1937 bis zum Hirtenbrief der katholischen Bischöfe vom 20. März 1943. ,,Deutsche. die Hitler bekämpften"? heißt Dorothy Thompsons erschütternde Zusammenfassung dessen, was von Deutschen aller politischen, konfessionellen und gesellschaftlichen Schattierungen unternommen wurde, um den Würgegriff der Gewalthaber zu lockern und was erfolglos bleiben mußte, weil sich draußen keine Hand rührte, ihnen wirksam zu Hilfe zu kommen. H. R.