Für das Kalenderjahr 1947 sind, nach dem Dreijahresplanfür die wirtschaftlich vereinigten Westzonen, Importe im Werte von 600 Mill. Dollar (auf dem Konto "Behebung von Notständen") vorgesehen. Knapp die Hälfte dep-Summe wird für Lebensmittel beansprucht. Was werden wir außerdem erhalten? Noch besteht darüber keine Klarheit. Natürlich hat Minden schonlängst einen "Wunschzettel" vorbereitet Außerdem macht man sich dort schon einige, Sorgen wegen des Verteilungsschlüssels. Es wird nicht ganz leicht sein, die zentrale Einfuhrregelung mit den Wünschen der Länder in Einklang zu bringen. Sicherlich kann man ja nicht schematisch verfahren und die Quoten etwa nach den Einwohnerzahlen festlegen. Das wirtschaftliche Pontential der einzelnen Gebiete muß berücksichtigt werden; man muß dem organisch gewachsenen Gefüge der arbeitsteiligen Wirtschaft mit ihren standortsmäßigen Schwerpunkten, möglichst Rechnung tragen. Die Einschaltung der Importhandels wird geboten sein.

Alle Erwägungen dieser und ähnlicher Art sind in Gefahr, von partikularistischen Interessen über den Haufen geworfen zu werden. Wenn es nach den "Ländern ging", deren Wirtschaftsegoismus heute, da er von der Bürokratie und den parlamentarischen Parteien getragen wird, nicht geringer und nicht weniger gefährlich ist, als ehedem die "Interessentenpolitik" der Konzern-Kapitalisten und der Verbands-Sýndici wenn es nach den Ländern ginge, dann wäre ein wirtschaftlich sinnloser Schematismus Trumpf. Jedes Land würde alles selber machen wollen: Länderautarkie ist die Parole heute, wenn auch noch so viel von den Vorteilen und Segnungen einer Wirtschaftseinheit im großen europäischen Rahmen geschwärmt wird. Kommen diese autarkischen Tendenzen zum Zuge, so wird die bedauerliche Konsequenz sein, daß überall, in jedem einzelnen Land,bestehende Kapazitäten in Industrie, Handwerk, und Handel erweitert und neue Kapazitäten geschaffen werden, bis man dort auf dem Stand des "Reichsdurchschnitts" angekommen ist Und anderwärts vorhandene Kräfte und Anlagen, die ja nicht zufällig gerade dort angesiedelt und aufgebaut worden sind, sondern ihre Existenz sehr realen standortsmäßigen Überlegungen verdanken würden verkümmern. Derartiges bedeutet den Verlust volkswirtschaftlichen Kapitals an der einen, die Fehlinvestition von Kapital an der anderen Stelle.

Das sind nun nicht etwa, wie eingewandt werden, könnte, unnütze Sorgen, die sich aus.-der theoretischen Überspitzung von praktisch kaum je zum Austrag kommenden förderativen Tendenzen, der Wirtschaftsplanung und lenkung ergeben. Solche Dinge werden da, wo die Einfuhr bereits angelaufen ist, also bei Getreide, bereits praktisch durchexerziert. Jedes Land strebt danach, "sein" Importgetreide nun auch in "seinen". Mühlen und Nährmittelfabriken verarbeiten. Dagegen und nichts einzuwenden, soweit und solange die Kapazitäten der betreffenden Industrien in jenen Ländern noch gut durchschnittlich ausgenutzt sind. Aber die Sache wird bedenklich, wenn dort die Betriebe vollbeschäftigt sind, während sie anderwärts feiern müssen – und mehr als bedenklich dann, wenn der Autarkiewahn dazu führt, daß dort bestehende Anlagen vergrößere neue Betriebe geschaffen und "eigene" Importfirmen gegründet werden. Indieser Entwicklung stehen wir bereits mitten drin. Unnötig zu sagen, daß auch auf diesem Gebiet wieder Bayern den Ehrgeiz hat, zu "führen".

Die "Wirtschaftseinheit" ist, für das gesamtdeutsche Gebiet, wie;-wir immer wieder und von allen Seiten hören, eine "selbstverständliche Forderung". Für das Zweizonengebiet ist diese wirtschaftliche Einheit feierlichbeschlossen und verkündet. Aber trotzdem gibt es, so grotesk es auch in unseren Ohren klingen mag, den Begriff des "bayrischen Außenhandels";er wird sogar von Offizieren der zuständigen Besatzungsmacht in aller Öffentlichkeit angewandt. Es gibt zwar keine weißblauen Zollgrenzen– aber immerhin schon die Tendenz, bayrische Kapitalien – für bayrische Kreditnehmer zu reservieren und die bayrische Mark devisenpolitisch gegenüber den benachbarten Ländern der gleichen Zone abzukapseln, Bayern lehnt es nicht ab. sich die Erfahrungen etwa des Hamburger Exporteurs für die Ausfuhr seiner Industrien nutzbar zu machen: – aber es verlangt, daß die Exportfirma mindestens eine bayrische Zweigniederlassung gründe. Den Importhandel aber betrachtet Bayernbereits als ein überflüssiges Instrument, zum mindesten auf dem Gebiet, wo bereits effektiv: (wenn auch nicht der organisatorischen Form nach) ein Einfuhrmonopol besteht, wie das heute schob bei Getreide der Fall ist (und in Kürze wohl bei allen anderen Importwaren der Fall sein wird). Aber natürlich will Bayern. nicht durch eine zentrale Importorganisation versorgt werden,die zum Stuttgarter Zweizonenamt ressortiert, sondern einen eigenen Apparat hierfür aufbaut Daß damit ein Wirtschaftszweig verkümmern müßte, dessen ganz Spezielle Leistungen und Erfahrungen in ein paar Jahren schon bitter vermißt werden würden, wenn es sich wieder darum handelt die Gelegenheiten des günstigsten Einkaufs "im weltweiten Rahmen" wahrzunehmen – darum macht sich der Münchner Partikularismus keine. Sorgen. Er sorgt zunächst einmal dafür, daß man im eigenen Lande gutes Weizenbrot hat, und überläßt das Maisbrot den anderen...

Das ist nun nicht bloß eine Metapher. Tatsächlich beanspruchen und erhalten die süddeutschen Länder, seitdem mehr Mais als Weizen für die Brotgetreideversorgung hereinkommt, eine Vorzugsbelieferung mit Weizen, obwohl ihre Vorräte an Brotkorn eigener Ernte relativ weit höher sind, als in der Nordzone. Während hier, grob gerechnet 2 Mill. eingeführt werden müssen, um den Gesamtbedarf Von 3,5 Mill. Tonnen zu decken, braucht die Südzone. bei insgesamt 2 Mill. Tonnen Bedarf, nur Mill. Tonnen Auslandszuschüsse. In – der Theorie werden Nord- und Sanzone "einheitlich" versorgt. Da aber die süddeutschen Länder in Stuttgart die föderalistische Posaune blasen, während die Minister gut den "neuen" Ländern der Nordzone ihren föderalistischen Part erst lernen müssen fand ab und zu auch noch "zentralistiche" Nordkl ängevon der Wirtschaftseinheit Erschallen lassen), kommen sie dort nicht recht zu Gehör. Gewiß, wir alle kennen die Wahrheit der bitteren englischen Sentenz, daß Bettler nicht wählerisch sein dürfen. Aber da wir nun einmal im gleichen Boot sitzen und eine Notgemeinschaft bilden, "wäre es auch angemessen, Weizen und Mais, Fleisch, und Fett in gleichen Rationen zu teilen, E. T.