Eine der begehrtesten Veranstaltungen auf der Leipziger Frühjahrsmesse war die große Modell-Modenschau im festlich geschmückten städtischen Schauspielhaus. Auf dem indirekt beleuchten und mit Blumen geschmeckten Laufsteg, der von der Bühne in den Zuschauerraum führte, paradierten die Manequins der Berliner Münchener, Leipziger und weiterer sächsischer und Thüringer Modehäuser. Auch eine Bremer Firma war Vertreten. Ein Mitglied des Theaters hatte die Ansage übernommen. "Es wäre falsch", so sagte er einleitend, "einfach die Hände in den Schoß zu legen und auf bessere Zeiten, zu warten; in der wir einmal die Materialnot überwunden haben werden, Durch Untätigkeit überwindet; man keine Notzeit. Diese Modenschau ist eine unbedingte Notwendig; keit für das vielgestaltige deutsche Modeschaffen, um einmal wieder in den Kreis führender Exportländer eingereiht zu werden:" –

Etwa 170. Modelle, darunter auch Haus-, Ski- und Strandanzüge, ja sogar Badeanzüge der bekannten Goldfischwerke, entzückten durch rechtgeacbmackvolle Kombinationen.Besonders zahlreich war die Auswahl der Trachtenkleider,trachtenartigen Komplets und Dirndlkleider. Auffallend die reiche Verarbeitung von bunter Norwegenstickerei"auf Oberärmel, Rückenteil und aufgesetzten Taschen. Die Verarbeitung von mehreren. Stoffmustern zu einem Kleid war eine schöne Anregung für die Verwendung von Stoffresten. Als Neuheit für Nachmittagskleider fiel die Verarbeitung von Ziegenfellen für Ärmel und Gürtel auf. Bei den Jackenkleidern und Straßenkostümen (teilweise mit Affenpelz besetzt) ist die lange Jacke weiter führend. Sehr flotteSkikostümemit Seehundfellverarbeitung und Radfahrkostüme mit praktischem Hosenrock fanden großen Beifall. Als sehr aparte Neuheit, geschmackvoll und zugleich praktisch; fiel ein dunkelbraunes Lederkleid mit blauen Lederapplikationen und passender Ledermütze auf. Großer Wert wird weiterhin auf die Übereinstimmung der Farben von Mantel, Kleid und Hut gelegt Kleiderbesatz kehrte vielfach auf dem Hutwieder. Das kleine Abendkleid zeigte Anklänge an die Biedermeierzeit. Zum großen Abendkleid gehört der lange Haarknoten, tief im Nacken, mit Bändern, Perlen oder Blumen, passend zum Kleid geschmückt. Viele Modelle zeigten den seitlich nach vorn oder hinten gerafften Rock. – Im übrigen wird die deutsche Mode 1947 weiter von Falten-, Plissee- und Glockenröcken bestimmt, die allerdings etwa zehn Zentimeter länger als bisher getragen werden. M. J.