Daß die Kunst nach Brot geht, war von jeher eine sprichwörtliche Wahrheit, der sich die Künstler, nicht selten schämten.Daß. die Musen aber durch Anschlag in Straßen um "ein echtes, schön belegtes Bauernbutterbrot" bitten, das ist ein Zeichen für die Situation des Theaters 1947. Wie so manches Stadttheater hat auch das Krefelder herausgefunden, daß mit ein paar Operetten und Schwänken, ja sogar mit dem "Troubadour"auf dem Lande sich zusätzliche Einnahmenverschaffen kann. Und so benutzte in Wachtendonk einem zum Dorf zurückgesunkenen alten Städtchen am Niederrhein,der örtliche Vertreter des Krefelder Stadttheaters das zehnte Gastspiel seiner Auftraggeber zu einem rührend-deutlichen Jubiläumsaufruf an die Theaterbesucher, sie möchten doch bitte auch "an die Not der Künstler denken", Denn: "ein gutes Butterbrot macht viele von uns nicht ärmer. An der Kasse des Theatersaalswird einsolches Geschenk gern entgegengenommen."

Und warum auch nicht? Wenn man bedenkt, was heute sonstwie alles möglich ist? Warum sollen die Bauern die ‚,Kultur"-lnvasion, der Operetten und Schwänke, die vom flachen Lande so bereitwillig aufgesogen wird, nur für die hohen städtischen Eintrittspreise haben. Die zahlen sie sowieso, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber das besagte, durch Plakat erbetene "echte, schön belegte Bauernbutterbrot", an der Kasse des dörflichen Theatersaales abgegeben als "Anerkennnung" für die Leistung der Künstler und dann ein "herzliches Vergelt’s Gott", vielleicht von Gräfin Mariza mit den 20 000Schweinderln oder von dem kauenden Manrico nach dir lodernden Stretta ausgesprochen ja, daserst schafft doch im Hungerjahr 1947 diepikanten, die persönlichen Beziehungen zwischen Operettenbühne und Parkett, die – wenn man den alten Theateranekdoten glauben darf – früher inheimlichen Separés nur bei teurem Sekt angeknüpft werden konnten. Möglich aber, daß diese Beziehungen dauerhafter sind! I.