Einfuhrkontrolle in Schweden, Gerüchte Abereine Abwertung der Schwedenkrone – völlig anders ist die wirtschaftliche Entwicklung Schwedens in diesem Winter verlaufen, als viele es sich vorgestellt hatten. Es galt als selbstverständlich, daß Schweden, wie nach dem vorigen Krieg so auch nach. diesem, sich für Jahre einer ungetrübten Hochkonjunktur erfreuen und die Schwedenkrone sich als stärker erweisen würde als der Dollar. Die amtlichen Kreise unterstrichen diese Überzeugung, sie sie mit Wirkung ab 13-, Juni 1946 die Schwedenkrone um 14 v. H. aufwerteten.

Heute ist die Schwedenkrone in der Gefahrenzone. Die Gold- und Devisenbestände nehmen Woche für Woche empfindlich ab. Seit Jahresbeginn sind sie um 430 Mill. Kronen auf 1591 Mill. Kronen zurückgegangengegenüber 2790 Mill. Kronen vor einem Jahr und noch knapp 2600 Mill. Kronen Ende Oktober. Stark zusammengeschrumpft sind die Dollarbestände. Der Begriff Devisen ist für Schweden mit Pfund Sterling identisch geworden, aber diese Pfund Sterling sind nur begrenzt einsatzfähig. So traf es auch Schweden sehr Mit, als die Bank von Brasilien den Ankauf von Pfunden (einstellte, denn Schweden deckte die empfindliche Passivität im Verkehr mit Brasilien mit Pfunden und müßte jetzt seinen Kaffee mit Dollars bezahlen. Diesen Währungsreserven von 1591 Mill. Kronen steht ein ständig ansteigender Notenumlauf von 2678 Mill. Kronen gegenüber, so daß die Deckungsvorschriften sich als zu eng erweisen.

Als diese Gold- und Devisenverluste im November vorigen Jahres einsetzten und im Dezember eine gewisse Unruhe auslösten, – wies der Notenbankgouverneur Rooth beschwichtigend darauf hin, daß dies eine natürliche Reaktion auf die Aufwertung der Schwedenkrone vom 13. Juni sei: Damals hätte die schwedische Reichsbank 500 Mill. Kronen Devisen von denen übernehmen müssen, die gut informiert,der kommenden Aufwertung vorbeugen wollten. Es sei natürlich/daß diese Beträge jetzt wieder abgegeben werden müßten. Hinzu käme allerdings, daß die "Wissenden" nun Mit einer Abwertung der Krone rechnen, somit Einkäufe und Zahlungen im Ausland beschleunigen und Devisenverkäufe hinauszögern. DerNotenbankgouverneur dementierte zugleich diese Abwertungsgerüchte. Die Beruhigung trat aber nichtein.

Am 20. Februar wurden die ersten Maßnahmen zum Schutz der Schwedenkrone ergriffen. Die Terminumsätze in Devisen wurden verteuert und erschwert. Die Prämien beim Verkauf von Termindevisen wurden für drei Monate auf 1 v. H. und für sechs Monate auf v. H. Jahreszinsen heraufgesetzt. Eine verschärfte Prüfung bei Vorschußzahlungen und Rembourskrediten sollte zu einer Einschränkung der Einfuhr führen. Die Verbände forderten die Wirtschaft auf, die Einfuhr auf ein Mindestmaß zu beschränken und zur Vermeidung radikaler Eingriffe Selbstdisziplin zu bewahren. Ende Februar wurde die Erteilung voll Einfuhrgenehmigungen soweit eingeschränkt, wie es im Rahmen der Handelsverträge möglich ist. Betroffen wurde, davon auch die Einfuhr von Luxuswaren aus Amerika und die von Damenkleidern aus der Schweiz. Als sich dies alles als unzureichend erwies, erfolgte am 15. März die Wiedereinführung der Einfuhrkontrolle. Die nicht notwendige Einfuhr soll wesentlich eingeschränkt werden, wobei u. a. Kaffee, Tee, Kakao. Südfrüchte, Pelze, amerikanische Filme, Kunstseidenstrümpfe, teure Textilien und Automobile-genannt werden. Der Verbrauchvon Kaffee, Tee und Kakao soll auf. 70 v. H. des Jahres 1946 eingeschränkt werden. Zu erwarten ist auch eine Kürzung der Papierzuteilung für Zeitungen um 15 v. H. und für Zeitschriften um 40 v. H., um die Ausfuhr von Papier erhöhenzu können.

Die Hoffnung, durch eine Preis- und Lohnkontrolle sowie durch eine Lenkung der Investitionen, die Kaufkraft der Schwedenkrone stabil halten und dabei inflatorische wie auch deflatorische Übertreibungen vermeiden zu können, ist dahin.Im Interesse einer solchen Politik der Indexwährung und der Konjunkturstabilisierung war die Aufwertung gegenüber dem USA-Dollar von 4,20 auf 3,60 Kronen vorgenommen und waren dabei die ungünstigen außenhandelsmäßigen Auswirkungen, dieErschwerung der Ausfuhr, und Erleichterung der Einfuhr, in Kauf genommen worden. Gestört wurde diese Politik aber vor allem durch den Kaufkraftüberhang.Auch in Schweden stehen zu wenig Waren zu große Geldbeträge gegenüber, und es fehlt bisher der Mut, hier, eine Lösung herbeizuführen. Schweden lebt weiterhin über seine Vershältnisse. Es verbraucht und investiert mehr als an Gütern verfügbar ist.Mangelerscheinungen kommen auf: Im Vergleich zu der aufgeblähten Kaufkraft ist alles knapp, Waren und Arbeitskräfte. Somit ziehen trotz Preis- und Lohnstopp Preise und Löhne an, was die Widerspruche verstärkt. Einige Lücken konnten/durch Mehreinfuhr relativ leicht gedeckt – werden. An Kaffee, Tee, Kakao, Südfrüchten besteht offensichtlich kein Mangel Aber dringlicher nötige Waren wie Kohle undMetalle können im Ausland nicht in ausreichenden Mengen gekauft werden.

Dies zeigt zugleich die Mittel einer Behebung der Krise: Mehr Arbeit, weniger Verbrauch. DerForderung nach Mehrarbeit steht ein Mangel an Kräften entgegen. Schweden bat immerhin nur 6,4 Mill. Einwohner. Die Holz- und Papierindustrie zählt etwa 100 000 Arbeiter; die mechanische Industrie die gleiche Zahl; die Textilindustrie 80 000; die Metallindustrien 70 000. Metall- und Maschinenindustrie und Schiffbaubrauchen allein dringend 20 000 Menschen. Zur Durchführung des Russen-Vertrages sollen weitere – 50 000 erforderlich sein, aber nirgendwo sind freie Kräfte verfügbar. Mehr Arbeit heißt somit Erhöhung der Arbeitsleistung je Tag oder Verlängerung der Arbeitszeit. Die andere Forderung, Einschränkung des Verbrauchs, ist zumindest ebenso unpopulär: wie die einer Erhöhung der Arbeitszeit. Eine Einschränkung der Investitionen wäre politisch eher tragbar und könnte einegewisse Entlastung herbeiführen, obgleich damit empfindliche sozialpolitische Abstriche verbunden wären. Jetzt fragt man auch die Einschränkung des Verbrauchs, denn die Einfuhrkontrolle bedeutet, daß es nun weniger Kaffee, Tee, Kakao, Damenstrümpfe usw. gibt. Die Wiederherstellung des Gleichgewichts wird damit zielbewußt angestrebt.

Schweden lebt auch in der Kreditgewährung ans Ausland offensichtlich über seine Verhältnisse. Die Höhe der von Schweden dem Ausland gewährten Kredite wurde kürzlich vom schwedischen Ministerpräsidenten Erlander mit 3.9 Mrd. Kronen plus 640 Mill. Kronen an staatlichen und privaten Geschenken angegeben. Ein Teil davon entfällt noch auf die Kriegsjahre, wie die Kredite an die Gesandtschaften besetzt gewesener Länder. Die Hauptnutznießer sind die Sowjetunion mit 1 Mrd. Kronen sowie Großbritannien, Norwegen und Finnland mit je etwa 500 Mill. Kronen, Ein Teil diester Kredite ist aber noch mit in Anspruch genommen.