Von Persischer

Das Thema China sollte-, auf Vorschlag von Molotow die Moskauer Konferenz beschäftigen. Dies hat erneut die Aufmerksamkeit auf den Bürgerkrieg zwischen den Kommunisten und der Kuomintang gerichtet. Die Ursachen dieses Konfliktes werden wir in mehreren zwanglos folgenden Aufsätzen behandeln.

Die Entwicklung der Weltpolitik seit dem Ende des Krieges hat die öffentliche Meinung dazu geführt. die Frage nach der allgemeinen Zukunft Mit der Gestaltung der amerikanisch-sowjetrussischen Beziehungen zu verknüpfen. Diese beiden Pole der globalen Politik glaubt man – im unterirdischen Kampf um die Weltmacht – in Jeder regioaalen Auseinandersetzung hinter den sichtbaren Gegnern entdecken zu können.

So ist dem Betrachter die chinesische Staatspartei, die Kuomintang, eins geworden mit Amerika, während sich ihm ihr Gegenspieler, die Kommunistische Partei Chinas mit der Sowjetunion Identifiziert

Diese vereinfachte Weltschau, so’sehr sie der Augenblick herausfordern mag, verdeckt jedoch zwangsläufig die Hintergründe, die ein Verständnis der tatsächlichen Lage erst ermöglichen.

Ein Blick zurück in die chinesische Geschichte führt zu der Feststellung, daß sich in China nicht zwei Bewegungen gegenüberstehen, die von außen in das Land eindrangen, um es zum Schauplatz ihres Zweikampfes zu machen.. Vielmehr haben sie, die Kuomintang und die Kommunistische Partei eine gemeinsame chinesische Wurzel, ja ein Stück gemeinsamer Entwicklung, in deren Verlauf es erst später zu einer Spaltung kam.

In San Yatsen, dem "Vater der chinesischen Revolution", begründen sich Kuomintang und Kommunistische Partei China, ihm verdanken beide ihr Entstehen. 1860 im Süden, Chinas geboren, aus dem kleinen Bürgertum stammend, empfing Sun Yatsen eine gemischt chinesische und westliche – Erziehung. Vermittelte ihm China die Geisteshaltung konfuzianischer Lehre, so schärfte der Westen seinen Blick für die Schwächen des damaligen Kaiserreiches. Er wußte, daß die starre kaiserliche Herrschaft fallen mußte, sollte China nicht das Schicksal der Kolonialvölker teilen: