In den vergangenen zwei Jahren ist der wirtschaftliche Einfluß Rußlands in "Zwischeneuropa" – planmäßig ausgebaut worden. Am stärksten hat das ideologisch gleichgerichtete Jugoslawien seine Innenpolitik und Wirtschaft dem russischen Muster angeglichen. Der großangelegte Industrialisierungsplan, die Betonung der Schwerindustrie in diesem Plan, die Einführung des Stachanowsystems und andere Einzelheiten weisen auf das östliche Vorbild hin. Inwieweit die Sowjetunion durch die Wirtschaft Jugoslawiens unterstützt wird, ist noch – nicht zu übersehen, da Einzelheiten über den Handelsvertrag und den Außenhandel 1946 nicht veröffentlicht wurden. Der Vertrag soll für dieUdSSR sehr günstig rein, besonders in der Preisbildung für russische Rohstofflieferungen.

Ein krasses Beispiel der für Rußland neuen Methoden der Infiltration ist das entschlossene Eindringen in die rumänische Erdölwirtschaft. Trotz ihres geringen Kapitalanteile? beherrscht die Sowjetunion durch die neugegründete paritätisch russisch-rumänische Betriebsgesellschaft "Sovrompetrol" praktisch die gesamte Produktion: – Rumänische Fabrikanten fahren nach Moskau, umdie Zusammenarbeit zu besprechen. Die rumänische Wirtschaft arbeitet nach einem Staatlichen Plan. Nach demHandelsabkommen vom, Februar 1947 tollen im Laufe dieses Jahres Waren im Werte von 15 Mill Dollar zwischen Rumänien und Rußlandausgetauscht werden. – Außerdem erhält Rumänien einen vierjährigen Kredit von 10 Millionen Dollar. Rußland soll Eisen, Stahl, Kohle, -Maschinen, Lokomotiven und Traktoren sowie Industrieausrüstungen liefern. Die UdSSR Rat die rumänische Wirtschaft weitgehend monopolisiert.

Aber. Rußland bemüht sich nicht nur um eitle Beteiligung an Einrichtungen, die baldigen Ertrag versprechen: eine russisch-bulgarische Bergbaugesellschaft wurde gegründet, um die Bodenschätze des Landes unter Leitung russischer Ingenieure und Facharbeiter, auszubeuten. Anlagen für die Verarbeitung dieser – Produkte besitzt Bulgarien nicht, Wohl aber gibt es solche in der Ukraine.

Wie in fast allen Staaten "Zwischeneuropas" hat sich. auch in Bulgarien die russische Methode derPlanwirtschaft durchgesetzt. Für Bulgarien ist zunächst ein Zweijahresplan aufgestellt worden. Die Vorrangstellung der UdSSR in Bulgarien ist unbestritten. Während zum Beispiel der Außenhandel vor dem Krieg eindeutig nach Westen orientiert war, stammten 1946 rund 80 v. H. der Importe ausRußland, das auch 30 v. H. der Exporte aufnahm und damit fast doppelt soviel wieder zweitbeste Kunde, die USA. Durch den bulgarischen Importüberschuß – von 2,8 Mrd. Leva zugunsten der Sowjetunion kann diese erhebliche Mittel in Bulgarien anlegen. Nicht nur Deutschland, das früher bis zu 85 v. H. der Exporte aufnahm, sondern auch England- und Frankreich sind aus den Statistiken verschwunden. Frankreich brach die bereits eingeleiteten Verhandlungen vor kurzem nach einem diplomatischen Zwischenfall ab.

Ungarn hat nach seiner Wirtschaftskrise, die Rußland zu einer Herabsetzung der jährlichen Reparationen von 33 auf 22 Millionen Dollar zwang, ein. Tor zum Westen öffnen können. Doch fast die Hälfte der Einfuhren stammten im vergangenen Jahr aus Rußland und 45 v. H. der Exporte gingen dorthin. An zweiter Stelle stand die Tschechoslowakei Immerhin ist ein größerer Kredit in USA beantragt.Wieweit Ungarn (und die Tschechoslowakei, teilweise auch Polen) – durch ihre Handels- – beziehungen nach Westen Waren und Rohstoffe hereinholen sollen, die sich Rußland mangels eigener Ausfuhren nicht beschaffen kann, läßt sich nicht beurteilen.

Nicht ganz so abhängig von Rußland wie die Länder des Balkans oder Polen ist die Tschechoslowakei als befreites Land, ohne – russische Besatzungstruppen und mit einer selbständigen. Regierung. Das zeigt sich auch in ihrer Wirtschaftspolitik. Die CSR bemüht sich nicht nur um eine Dollaranleihe, sondern hat zahlreiche Handelsvertrage mit dem Westen abgeschlossen, nimmt auch als einsiger Staat des Ostraumes an den Besprechungen für die Welthandelsorganisation teil. Andererseits weisen die – weitgehende Verstaatlichung, Planwirtschaft und Dienstverpflichtung in die Schlüsselindustrien, besonders aber Einzelheften, des am 1. Januar angelaufenen Zweijahresplanes, deutlich auf russische Vorbilder hin. Das tschechische Beispiel zeigt sehr klar, wie genau alle Wirtschaftspläne auf die russischen Planungen abgestimmt werden. Am 28. Januar dieses Jahres schrieb die "Tägliche Rundschau", daß vor allemdie umfassende wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Sowjetunion bei der Erfüllung der Aufgaben eine Rolle spielt, die die CSR im Zusammenhang mit dem Zweijahresplan durchzuführen hat? Als wichtige Etappe in der Festigung der freundschaftlichen Beziehungen und der engen Verbundenheit – Zwischen der Sowjetunion und der Tschechoslowakei seien auch die Handelsvertragsverhandlungen zu betrachten. Beide Teile wollen eine solidere Basis für ihre wirtschaftlichen Beziehungen schaffen. Abernicht nur mit der UdSSR, sondern auch mit Jugoslawien besteht ein Handelsvertrag. Dieser gilt für fünf Jahre und verpflichtet die CSR zur Lieferung von – Industrieausrüstungen gegen Rohmaterialien und Nahrungsmittel.Ein Vertrag mit Polen wird vorbereitet. Aber der Zweijahresplan hängt weitgehend ab von den Rohstoffimporten, vor allem an. Eisenerzen, Metallen, Baumwolle und Wolleund auch Erdöl. Die Sowjetunion kannwegen ihres eigenen riesigen Bedarfes nur einen Teil dieser Einfuhren bestreiten und weder Jugoslawien noch Polen können diese Lieferungen entsprechend dem Bedarf ergänzen. Die CSR muß also versuchen, in den westeuropäischen Ländern weitere Rohstoffe gegen Industrieprodukteeinzuhandeln. Nach der Statistik beträgt die Ausfuhr nach der Sowjetunion

Mit der Verteilung der Tabakvorräte in der amerikanischen und britischen Zone befaßte sich kürzlich Ein Beitrag im "Wiesbadener Kurier",der sich in diesem Zusammenhang "gegen die Diktatur von Minden" richtete. Es scheint uns jedoch, daß diese "Diktatur" einen wesentlich demokratischeren Einschlag hat als der Länderrat in der US-Zone, der nach dem genannten Artikel die Industrie vor wichtigen Entscheidungen nicht einmal befragt.