Von Hermann Stahl

Da soll ich nun den Leuten eine Ostergeschichte schreiben undmöchte mich doch am liebsten in ein Mauseloch verkriechen.

Weil ich froh bin.

Ich habe eine Postkarte erhalten. Von Helga. Auf dieser Ansichtskarte sind Wälder mit einem grünen Tal, – ein Dorf darin,das ich kenne. Die Jahre eilen so.

Und damals war sie ganz jung, Helga. Ihre; Haut wie ein Pfirsich, noch ungeprägt kindlich die Stirn und So hell und so sanft mit diesem Hauch. Ich möchte jetzt so gern an sie denken. Sie hatte etwas von Schmetterlingsflügeln, damals.. Ihre Haut meine ich. So unbegreiflich und als ob es immer so bliebe: frisch.

Recht gekannt habe ich sie damals noch nicht, wie man so sagt. Es waren nicht viele Menschen, eine Handvoll Häuser im Nest der Tannenwälder. Da sah ich sie oft. Augen wie Quellen. Wenn sie lachte, freute sich unsereiner, alles wurde heller: Ganz natürliches ’s war ihre Jugend; Und sie wußte es nicht, dachte dachte sich nichts Cabei. Ich – gewiß, ich hatte alles begreifen müssen, ich war blöde. Ich, als könnte einer mit seinen Händen in die Sonne, greifen und schreien: Bleib stehen! Mein Gott, als könnte unsereins die Zeit aufhalten. Nichtsals Eigensinn. Später, als ich sie besser kennengelernt hatte, ich begleitete sie einmal, und es war Abend bei den Tannen, war ich mit allem zufrieden. Nun ja, zufrieden

Wie gesagt, später war es mir recht, daß alles nur in der Ahnung, in der Schwebe geblieben war. Oder sagte ich es noch nicht? Ich hatte ja die Sonne nicht anhalten können; jene Frühlinge waren vergangen, und spät, viel später, bin ich auch wieder ins Dorf gekommen. Es war inzwischen vieles geschehen. Ich bin mit den Sommern und Wintern gekommen und gegangen und habe sie zuletzt wiedergesehen, als wir über einige Dinge sprachen, die ... Tja, vieles war anders geworden. Vor dem Fichtenstück begegnete ich ihr, sie hatte irgend etwas verloren und wiedergefunden. Ein Kettdien, ein Herz, oder so etwas. Na, ein Herz wohl rieht. Natürlich hätte sie nicht eigens sagen müssen, daß sie nicht auf mich gewartet habe. Nein, ich hatte ja damals’die Sonne nicht aufgehalten.