Vor wenigen Tagen wurde der gewichtige Apparat des Deutschen Pressedienstes eingesetzt, um darzulegen, wie betrüblich weit die Ansichten der deutschen Zeitgenossen über den Umfang des Kohlenexports von den Tatsachen entfernt seien. Ein bis dato fast unbekanntes Umfrageinstitut wurde zitiert, das die deutschen Irrungen statistisch offenbarte. Danach sollen nicht weniger als 86 v. H. der befragten Deutschen der Meinung gewesen, sein, daß über die Hälfte der Ruhrkohlenförderung ins Ausland gehe, während doch tatsächlich in den letzten Wintermonaten nur 11,4 v. H. exportiert worden seien; Wie wichtig diese recht schulmeisterlich erteilte Aufklärung nicht allein für die unwissenden und frierenden Deutschen ist, das zeigt die Äußerung des Herrn Molotow jüngst auf der Moskauer Konferenz, daß die USA, Großbritannien und Frankreich laufend Reparationen aus der deutschen Produktion "erhielten", nämlich Kohle, Bauholz und andere Materialien, ohne etwas dafür zu zählen oder aber. sehr niedrige Preise, (Alle drei Außenminister wiesen diese Behauptungen Molotows zurück. Anm. der Red.)

Wenn wir also in diesem Winter so gefroren haben, wenn unsere Fabriken stillagen – an der Höhe der Ausfuhr lag es nicht; das war die Folgerung, die wir aus, der Belehrung des Umfrageinstituts herauslesen mußten (und wohl stach sollten), wollten wir uns nicht böswilliger Verstocktheit zeihen lassen. Von diesem Übel glauben wir uns frei, wir besitzen aber eine gewisse Skepsis so schön und vor allem so nachdrücklich servierten Zahlen gegenüber.

Wenn man den Kohlenexport aus Deutschland überhaupt rechtfertigen will, dann jedenfalls nicht mit der oft wiederholten, aber dadurch nicht einleuchtender gewordenen Behauptung, er sei als Devisenquelle für Deutschland notwendig. Der Kohlenexport ist heute Zwangsexport. Wir erhalten zwar dafür Devisen .gutgeschrieben, und das. Wirtschaftsamt in Minden sieht sogar die Duplikatrechnungen, aber bei der heutigen Wirtschaftslage würde keine deutsche Regierung freiwillig Kohle ausführen. Es ist oft und nachdrücklich genug, auch von der "Zeit", darauf hingewiesen worden, daß die deutsche Industrie mit der entnommenen Kohle hodiveredelte Ausfuhrgüter mit einem Vielfachen des Wertes erzeugen könnte.

Es wird "gesagt; daß im Jahresdurchschnitt noch nicht 19 v. H. der Ruhrkohlenförderung exportiert werden. Die Förderung. ist" jedoch nicht die entscheidende Größe, sondern die Inlandversorgung. Von der Förderung muß zunächst einmal – der Selbstverbrauch der Zechen abgezogen werden, und der ist mit gegenwärtig rund 18 v. H. leider recht hoch. Außerdem ist die Kohlen die uns zur Verfügung steht, schlechter geworden. Nach dem Raubbau im Krieg müssen jetzt auch schlechtere Flöze abgebaut werden, und auf den Zechen werden die Lesebänder, auf denen die Steine aussortiert werden sollen, nur sehr flüchtig oder gar nicht mehr bedient. Reklamationen braucht die North German Coal Control nicht zu befürchten, und die ausländischen Kunden werden erstklassig bedient. Wie schlecht die Kohle für den deutschen Verbrauch geworden ist, darüber kann uns jeder Heizer unterrichten. ... ...

Von der Inlandversorgung gehen 10 v. H. für den Verbrauch der Besatzungsmächte und der displaced persons ab, das Doppelte von dem, was sämtliche Gas- und Wasserwerke in beiden Zonen zugesprochen erhielten. Auch die Stromexporte müssen noch in Abzug gebracht werden, sowie die Lieferung an Bunkerkohle; Und schließlich darf man eine weitere sehr erhebliche deutsche Kohlenlieferung nicht außer Betracht lassen: die Förderungsleistung der gegen alle Gesetze der Menschlichkeit. noch immer zurückgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen. T. Sch.