Als vor etwa acht Monaten der Alliierte Kontrollrat durch eine Verordnung den Bau voll hundert-deutschen Fischdampfern genehmigt hatte, um durch die Erhöhung der Eigenfänge die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit dem eiweißhaltigen "Fleisch aus dem Meer" zu verbessern, ergab sich die kuriose Tatsache, daß die in der britischen Zonefür die Hochseefischerei zuständigen Dienststellen der britischen Militärregierung lange von dieser wichtigen Verordnung des Alliierten Kontrollrats keine Kenntnis hatten. In der Zwischenzeit ist nun sehr viel passer die Elbe hinabgeflossen, ohne daß von den neuen Fischdampfern bisher etwas zu sehen gewesen wäre.

Die Ursache dieser Verzögerung ist die erhebliche Größeneinschränkung, die besonders auf Sowjetrussischen Wunsch für das Neubauprogramm erfolgte: 34 Dampfer dürfen eine Tonnage bis zu 400 BRT haben, dagegen dürfen 66 Dampfer nur bjs zu 350 BRT groß sein. Alle zuständigen deutschen Stellen haben sich mit Nachdruck beim Alliierten Kontrollrat dafür eingesetzt, daß die inseiner Anweisung enthaltenen Beschränkungen gelockert werden. Maßgebend "war – allerdings für den Kontrollrat, daß in Zukunft die Verwendung der Fischdampfer für Kriegszwecke ausgeschlossen sein soll. Deutsche Stellen, zu denen neben den Fachverbänden der Hochseefischerei insbesondere auch die Gewerkschaften gehören, wenden mit Recht ein, daß nach den schweren Verlusten der deutschen Hochseefischerei bei den Neubauten jetzt. besonders die -wirtschaftliche Frage berücksichtigt werden muß und aus ‚diesem Grunde große Fischdampfer gebraucht werden.

Während beim Alliierten Kontrollrat die Bitten der deutschen Hochseefischerei, um Genehmigung – zum Bau zweckmäßiger und seetüchtiger Fischdampfer vorliegen, sind von einzelnen Werften Vorschläge zum Bau von Fischdampfertypen gemacht worden, die sich in den Grenzen, der Anordnung des Kontrollrates bewegen. Die zuständen Dienststellen der britischen Militärregierung haben diese Entwürfe zugeleitet erhalten und werden ihre Entscheidung darüber in absehbarer, Zeit fallen.

Obwohl der neue Fischdampferentwurf eine erhebliche Kritik ausgelöst hat, muß doch die deutsche Initiative begrüßt werden. Nicht zuletzt aus dem Grunde, weil unsere Werften sehrbaldBauaufträge für Dampfer brauchen. Sonst sehen sie sich der Gefahr gegenüber, daß das Fachpersonal in andere Berufsgruppen abwandert.

Es waren der Verband der Hochseefischereien und die Gewerkschaften, die den neuen Dampfertyp der Deutschen Werft, Hamburg, ablehnten. Nach ihrer Ansicht erfüllt der neue Dampfer nicht die Mindestanforderungen der Reeder. Wegen desEinbaus eines Shelterdecks und abnormer Aufbauten sei auf einen Kiel und die nötige Stärke der Außenhaut verzichtet worden. Die Folgen seien nach Meinung des Verbandes eine geringere Stabilität trotz größerer Breiten, Toplastigkeit besonders bei Vereisung und weiterhin, mangelnde Fahreigenschaften. In den Fischereiflotten aller Länder soll dieser Entwurf kein Beispiel haben. Man befürchtet wohl auch, daß die Fischereiflotte im ganzen weniger leistungsfähig Wird, wenn, wie es heißt, für jedes neu in Dienst. gestellte Schiff des "kleineren". Typs ein altes "großes" Fahrzeug an die Alliierten abgegeben werden muß. – Als entscheidende Faktoren können der Hochseefischereiverband und die Gewerkschaften nicht übersehen werden: Der Verband soll für seine Reeder die Dampfer bauen lassen und die Gewerkschaften müssen sie schließlich mit Fahrpersonal bemannen. Sehr bedauerlich ist es aber, daß den zuständigen Fachstellen von außenstehender Seite mit einer scharfen politischen Färbung "reaktionäre Umtriebe" vorgeworfen werden. So einfach liegen die Dinge nun wirklich nicht.

Allerdings sind in Not-und Krisenzeiten schon oftmals Verbesserungen und Erfindungen gemacht worden, die unter normalen Voraussetzungen erst sehr viel später eingeführt worden wären. Und so. könnte, es durchaus möglich sein, daß sich ein aus. der deutschen Notlage entwickelter neuer Fischdampfertyp bewährt. Vielleicht kann der Hochseefischereiverband seinen Standpunkt revidieren. Man sollte, einfach einen Versuch machen und einen Probebau des neuen Typs auf Stapel legen. Aus. den Erfahrungen, die mit diesem Neubau zu machen sind, wird man dann zu gegebener Zeit die Lehren ziehen können. Dringend nötig ist es aber, beim Alliierten Kontrollrat eine schnelle Entscheidung über die vorliegenden Anträge zur Lockerung der Größeneinschränkung zu erwirken.ww.