Von Rudolf Laun

Liebe macht bekanntlich blind, öft aber auch Haß.. Daß Haß blind macht, haben wir an Hitlers ebenso törichtem wie unmoralischem Judenhaß erlebt, und wir erleben es heute vielfach an dem so verbreiteten Deutschenhaß. Äußerungen, die von Haßinstinkten geleitet sind, können, auch wenn sie noch so unbegründet-sind, großen Schaden anrichten. Denn immer finden sich Urteilslose und Irregeführte; die das Vorgebrachte glauben und bei denen später; wenn alles aufgeklärt wird, doch etwas hängen bleibt, "Semper aliquid haeret", "immer bleibt etwas hängen", sagten schon die Römer, allerdings speziell von der Verleumdung; aber Haß und Verleumdung sind oft nahe benachfort.

Daher ruht auf jedem, der imstande ist, Äußerungen des Hasses mit objektiver sachlicher Aufklärung entgegenzutreten, die Pflicht, dies in aller notwendigen Klarheit und Schärfe, zu tun.

Der "Tagesspiegel", Berlin, hat drei Artikel veröffentlicht, die sich wohl nicht anders erklärenlassen als dadurch, daß die Inspiratoren, Gewährsmänner und Schreiber dieser Zeilen von einem grenzenlosen Haß gegen das ganze, deutsche Volk einschließlich der vielen Millionen Unschuldiger und der jedenfalls unschuldigen künftigen Generationen beseelt sind. Es sind die Artikel "Zur zweiten Lesung" vom 21. Januar, "Flurbereinigung" vom 11. Februar und "Kein Staat aus eigenem Recht" vom 13. Februar 1947. Alles Mögliche, was zu den dort behandelten Fragen zum Nachteil Deutschlands, vorgebracht werden kann, ist in diesen Artikeln zusammengetragen.

Der erste Artikel des "Tagesspiegel" sagt unter anderem, Deutschland sei als Staat untergegangen. "Es hat" so schreibt der "Tagesspiegel" – "überhaupt jeden Staatscharakter und damit auch den eines kriegführenden oder friedenschließenden Staates verlöten. Und hierin scheint uns, was die Friedensregelung betrifft, ein solcher Votteil zu liegen, daß es geradezu, absurd wäre, wollte man eine Bundesregierung bilden, damit jemand da ist, der einen förmlichen" Vertrag unterzeichnen oder gar seine Unterzeichnung ablehnen kann..."

Wenn es für ein Volk ein "Vorteil" ist; kein "Staat" zu sein, keine Regierung zu haben und gar nicht unterzeichnen zu können, warun lösen sich denn, nicht die vier Alliierten Mächte auf? Die allgemein bekannte Wahrheit ist doch, daß es zu allen Zeiten als das größte Unglück gegolten hat, rechtlos und bloß Objekt fremden Willens zu sein. Die Römer nannten jene Menschen, die keine Rechte hatten und nur Objekt waren, "servus", Sklave. Jener Artikel tritt also dafür ein, daß das ganze deutsche Volk wie ein Haufe von Millionen Sklaven, behandelt, werde. Daß Deutschland Rechtssubjekt sein und Rechte haben müsse, habe ich bereits in der "Zeit" vom 13. März darzutun versucht. Ein dort zitiertes schweizerisches Urteil vom 1. Dezember 1945 hat ausdrücklich anerkannt, daß Deutschland Rechte aus einem völkerrechtlichem Vertrag habe und ebenso der Deutsche im Ausland.

Hören wir den "Tagesspiegel" weiter. "Die. Wahrheit ist, daß ein Zwang nicht auf Deutschland, sondern auf die Allierten ausgeübt wird. Während man in Deutschland schon jetzt von einem aufgezwungenen Frieden spricht, sind, tatsächlich die Alliierten durch die von Deutschland ,gemachte Geschichte‘ zu harten und unerbittlichen Bestimmungen gezwungen worden."