Der indische Rat für Weltangelegenheiten, eine Organisation, die sich als unpolitisch bezeichnet, hat zu einer Konferenz zur Pflege innerasiatischer Beziehungen eingeladen. Weder die provisorische indische Regierung noch eine der indischen Parteien stehen hinter den Veranstaltern, und Pandit Nehru hat, nur als Mitglied des Vorstandes, die Konferenz, am Sonntag, dem 23. März, im alten Fort von Delhi eröffnet. Dem Programm entsprechend soll über Maßnahmen zur Sicherung des wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Fortschrittes als den wichtigsten Voraussetzungen für die Entwicklung der asiatischen Länder verhandelt werden; ferner stehen zur Debatte der industrielle und landwirtschaftliche Aufbau Asiens, Arbeitsfragen, der Übergang von der bisherigen Kolonial- zu einer Nationalwirtschaft und Fragen des interasiatischen Bevölkerungsaustausches.

Zur Erörterung dieses Programms haben sich in Delhi 250 Delegierte von 23 asiatischen Völkern zusammengefunden, die zumeist-kulturelle und fast ausschließlich unpolitische Organisationen des Vorderen, Mittleren und Fernen Ostens vertreten. Die Teilnahme von 27 Abgesandten der asiatischen Sowjetrepubliken. zeigt das Interesse Rußlands für die Bestrebungen der Konferenz und ist besonders bemerkenswert, nachdem kürzlich Nehru vor. der National Versammlung erklärt hat, daß vorbereitende Schritte zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen Indiens zur Sowjetunion bereits unternommen worden seien. Obgleich die Moslem-Liga sich gegen die Veranstaltung ausgesprochen hatte, Weil sie in ihr den Versuch der Hindus sieht, die geistige Führung der asiatischen Völker an sich zu ziehen, nehmen zahlreiche Vertreter der islamischen Nationen wie Ägypten, Türkei, die Arabische Liga, Persien und Afghanistan, an den Besprechungen, teil. Das einzige größere Land, das keinen Delegierten entsenden konnte, ist Japan. Aber bereits in einer der ersten Arbeitstagungen förderten 90 v. H. aller Konferenzteilnehmer eine japanische Beteiligung mit der Begründung, die-Veranstaltung sei ganzlich unpolitisch und sie empfänden, weder kulturellen noch wirtschaftlichen Haß gegen Japan.

Über praktische Resultate oder Beschlüsse ist noch nichts bekannt geworden. Aber offenbar ist die panasiatische Konferenz doch nicht unpolitisch genug, um nicht sogleich die Gelegenheit zu benutzen, sich mit dem Palästina-Problem zu befassen. ... Nach einer etwas erregten Aussprache in die auch Nehru mit der Feststellung eingriff, er habe alle Sympathie mit den Juden’und ihrem Schicksal, aber Palästina sei arabisches Land, und keine Entscheidung könne gegen die Stimme der arabischen Bevölkerung über dieses Gebietes getroffen werden, reichten sich der jiddische und der arabische Vertreter Palästinas die Hand und proklamierten einen Waffenstillstand

Wenn auch keinerlei sensationelle Ergebnisse von diesem ersten Zusammentreffen aller asiatischen Völker zu erwarten sind, so darf man doch nicht vergessen, daß die 250 Delegierten-mehr als die Hälfte der gesamten Menschheit vertreten. Man muß sich außerdem darüber klar sein, daß der asiatische Kontinent mit seinen sprichwörtlichen Reichtümern an Rohstoffen und anderen Schätzen einen neuen und äußerst beachtlichen Faktor in der Weltwirtschaft darstellen wird, wenn sich seine Bestandteile aus dem Status der bisherigen – Kolonialwirtschaft zu Nationalwirtschaffen entwickeln Und eine gemeinsame Planung, zwischen ihnen eingehalten werden sollte. Dff.