Sie schreit förmlich nach der Feder eines Mark Twain, die Erkundungsfahrt der Vertreter der UNO in Griechenland auf die Höhen des Pindus, von, der die "Times" sagt, daß es wohl die phantastischste Expedition gewesen sei, die je ein internationales Gremium unternommen – habe. Sie hat überdies nach fünf Tagen mit einem Fiasko geendet. Am Mittwoch, dem, 12. März, war man von Saloniki aufgebrochen; die Vertreter der neun Staaten die im Aufträge der UNO die Verhältnisse in Griechenland untersuchen, dazu die Verbindungsoffiziere der angrenzenden Länder Albanien, Bulgarien – und Jugoslawien. Man hatte genaue Instruktionen, wo man die Streitkräfte der Rebellen antreffen scllte, mit deren Hilfe man dann zu dem Führer der Guerillabanden. Markos, gelangen sollte, um dessen eigene Aussagen zu vernehmen. Wohlausgerüstet mit altem Notwendigen, mit Dolmetschern und Begleitpersonal (es waren an die sechzig Köpfe) brachte man nach einem Tage des Anmarsches drei Tage im Kampfgebiet der Rebellen. zu. Es ging teils auf Mauleseln, teils zu Fuß in die hohen, unwegsamen Gründe des Pindus. Viele Stunden lang kletterten die Vertreter der allmächtigsten Organisation der Welt Saumpfade entlang-, um einen Bandenführer zu treffen. Als man schließlich am Freitag am Ziele war, im Distrikts-. Hauptquartier der Rebellen, war Markos nicht da. Dafür forderte der örtliche Kommandant der Rebellen die Kommission höflich auf, die bisherigen Gebirgsmärsche doch noch um weitere sechs Stunden auszudehnen, um an eine Stelle vorzudringen, wo es wohl leichter sei, Markos zu treffen.

Man wird den leichten Unwillen der Kommission begreifen, die sich weigerte, ihre strapaziöse Tour fortzusetzen, und statt dessen verlangte, daß Markos herbeigerufen werde. Der örtliche Kommandant der Rebellen versicherte, daß der Führer wahrscheinlich am Sonnabend, früh zur Stelle sein. werde, es sei denn, daß die griechischen – Regierungstruppen durch lästige Operationen ihn daran hinderten. Markos, der zweifellos Sinn für Frechheit und Humor besitzt, wäre ein Geschichtenverderber gewesen, wäre er gekommen. Der amerikanische. General protestierte darauf am Sonnabend in aller Form gegen die Unhöflichkeit des Zeugen und drängte auf den sofortigen. Heimmarsch der Kommission. Es gab Gegenmeinungen auf russischer Seite. Man entschied sich für eine nochmalige elfstündige Frist des Wartens. Als man am Sonntagmorgen zum Abmarsch blies, protestierten – nun ihrerseits der russische und der polnische Vertreter in aller Form dagegen, daß die sieben anderen Delegierten ihre Pflicht vermach-– lässigten, indem sie ihre Mission, mit Markos zu sprechen, preisgäben. Der örtliche Kommandant der Rebellen seinerseits versicherte höflich, daß gewiß nur die leidigen Operationen der Regierungstruppen und so weiter... und daß Markos jeden Augenblick hier sein könne. Dann bestiegen die Sieben der Neun (nämlich die Vertreter von England, den Vereinigten Staaten, Frankreich, Australien, Belgien, Brasilien und Syrien) ihre Maultiere und ritten heim, während der russische und polnische Delegierte zusammen mit den drei Verbindungsoffizieren von Albanien, Bulgarien und Jugoslawien als das Fähnlein der Aufrechten am Orte blieben, um der übernommenen Mission treu zu sein. Die Einsichten, die sie von ihrem Zusammentreffen mit Markos nach Saloniki zurückbringen werden, werden vermutlich einheitlich sein: Wie ist das Echo auf diese Geschichte, die außer der komischen – ja auch eine andere Seite hat? Geben wir es ruhig zu: die Welt neigt heute wie je den schadenfrohen Spaßmachern zu, und nur wenige fühlen, daß selbst ein vergeblicher Versuch, einem Zipfel Erde, den Frieden zu schenken, mit nichts, auch nicht mit dem Gelächter der Welt, zu hoch bezahlt erscheint. A.