Wie die Rhein-Neckar-Zeitung meldet, ist die deutsche Bevölkerung aus Kehl evakuiert worden, da Frankreich die Stadt Kohl seit 1945 als zu seinem Hoheitsgebiet gehörig betrachtet. Ein Teil der Bevölkerung war bereits während des Krieges, weil die Stadt als bombengefährdet galt, in den benachbarten-Kreisen untergebracht worden. Diesen Bewohnern hat die französische Besatzungsmacht niemals erlaubt, in ihr< Vaterstadt zurückzukehren. Nunmehr ist für die restlichen in Kehl verbliebenen Deutschen der offizielle Ausweisungsbefehl gelassen. An Stelle dessen siedelt die-Besatzungsmacht 7000 französische Staatsbürger aus dem Elsaß in der Stadt an. Begründungen für Riesen Schritt, sind nicht gegeben worden. Die Maßnahmen sind in aller Stille erfolgt und der Öffentlichkeit, nur durch kurze Meldungen in der Presse der benachbarten amerikanischen Zone bekanntgeworden.

Der Fait accompli einer Besetzung und Annexion Kehls entbehrt im Augenblick jeder militärischen Grundlage, da die Stadt im Bereich der Besatzungszone der westlichen Nachbarn gelegen ist Die Geschichte lehrt, hingegen, daß Frankreich schon früher in Verfolg der von Richelieu eingeleiteten Politik der Einmischung und Schwächung – gegenüber -Deutschland versucht hat, die Stadt als militärischen Brückenkopf diesseits des Rheins für Frankreich zu annektieren.. Dieser Versuch Ludwigs. XIV. wurde durch den Frieden von Ryswijk 1678 vereitelt. Offenbar spielen gleiche Gründe heute wieder eine Rolle in der französischen Politik.

Kehl hat einen bedeutenden Rheinhafen und lag vor dem Krieg in wirtschaftlichem Konkurrenzkampf mit der gegenüberliegenden elsässischen Metropole Straßburg. Die Zeitschrift „Rhin“ belichtet, daß der Bürgermeister der Münsterstadt die französische Regierung um eine verpflichtende Unterschrift zur Annexion Kehls ersucht hat. Während des Krieges hat der Gauleiter von Baden und Chef der Zivilverwaltung des Elsaß, der Inzwischen hingerichtete Robert Wagner, die wirtschaftliche Vereinigung Straßburgs und Kehls angeordnet. Dieser willkürliche-Akt, hinfällig wie alle nazistischen Gesetze, die außerhalb Deutschlands ergangen sind, hat offenbar in Frankreich den Gedanken wach werden lassen, Straßburgs Einfluß auf Kehl beizubehalten. Das Verfahren erinnert peinlich an die Beschlüsse der berüchtigten Reunionskammern Als der Zeit Ludwigs XIV.

Deutschland ist vor der Welt angeklagt, den Frieden gestört zu haben. Die Sieger bemühen sich nun. eine Umerziehung des deutschen Volkes einzuleiten. Aber die Pädagogik einer Siegermacht, wie sie, sich im Fall Kehl, offenbart, dürfte geeignet sein, den Lerneifer der Besiegten zu erschweren.

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