Francos jüngster politischer Schachzug ist mißglückt. So wenigstens muß man aus der Reaktion schließen, die das Manifest des Caudillo zur Wiedereinführung der Monarchie allenthalben gefunden hat. Erfolg oder Mißerfolg der Aktion sind aber in diesem Fall nicht an einer möglichen staatsrechtlichen Bedeutung dieser seltsamen konstitutionellen Verfügung abzulesen, sondern allein an der Wirkung, die sie auf die Kreise der Monarchisten in und außer Landes, auf die Opposition und die Weltmächte geübt hat. Und das Echo ist einheitlich in seiner Ablehnung.

Auch in sich selbst ist die reale Bedeutung des von Franco verkündeten Manifestes nur gering. Es verkündet zwar die Monarchie und – sieht die Errichtung eines Reichsrats und eines Regentschafts-– rate vor, aber es läßt doch Franco in seinem Amt als Staatschef unberührt und gibt der Berufung eines Monarchen erst nach dem Tode Francos oder seiner Unfähigkeit zur Ausübung des Amtes Raum. Es stellt somit nur einen Wechsel auf die Zukunft dar. Die diesen Wechsel akzeptieren sollten, die Monarchisten, und Don Juan, der Thronprätendent, haben ihn zurückgewiesen. Den es am ehesten angeht und der seine Chance darin sehen sollte, der Thronprätendent, verurteilt die Aktion. auf das entschiedenste, da sie weder mit seiner eigenen noch mit der Zustimmung’ des spanischen Volkes geschah. Aus Kreisen der Royalisten. aus Lausanne und aus Paris, kommen Stimmen, die neben der Ablehnung vor allem den Vorwurf enthalten, daß hier mit einem Manöver versucht. werde, die Einigkeit der Opposition gegen das Regime zu sprengen, und aus Madrid hört man als Antwort, daß eine neue monarchistische Gruppe gebildet werde, die ebenso anti-kommunistisch wie antifrancistisch sei. Die andere Seite der Opposition, die Republikaner und Sozialisten, sehen in Francos Manifest eine Verhöhnung der Nation und den Versuch, eine friedliche Lösung des Problems Spanien zunichte zu machen. Der Ministerpräsident der spanischen Exilregierung, Llopis, erklärte, daß das spanische Volk weder einen König von königlichem Blut noch einen Emporkömmling wolle. Franco habe sich zu einem von „Gottes Gnaden“ erwählten Caudillo gemacht, nun wolle er von ‚,Cottes Gnaden“ König sein.

Die französische Regierung hat dem Ministerpräsidenten Llopis zugesichert, daß sie die Exilregierung auch weiterhin unterstützen werde. England zeigt.sich dem spanischen Manöver gegenüber skeptisch und kühl, Man werde die Monarchie begrüßen, wenn sie das Ende des Franco-Regimes bringe, verlautet in Downing Street. Die Presse spricht, von einer Kriegslist zu dem Zweck, die Opposition der Monarchisten auszuschalten und die, gefährliche Annäherung zwischen den Gegnern, von links und rechts zu unterminieren, die sich seit kurzem im Zeichen des gemeinsamen Zieles, nämlich der Liquidierung des Systems, abzuzeichnen beginnt. Aus Kreisen der UNO wird schließlich noch; festgestellt, daß eine Änderung in der Haltung gegenüber Franco nicht zu erwarten .sei.

So bleibt in der weltpolitischen Arena als Ergebnis der Aktion nur die gemeinsame Ablehnung zu verzeichnen, und die Erkenntnis eines mißglückten Versuchs, dem Regime der Diktatur eine neue Lebensfrist und den Anschein der Rechtmäßigkeit zu geben. K. A.