Der Biologe R. H. Francé hat in seiner "objektiven Philosophie" die -Erscheinungen des Kultur- und Geisteslebens weitgehend von der "Lebensgemeinschaft" (in biologischem Sinne) her verständlich zu machen gesucht und im Zusammenhang damit die Deutschen als ein Waldvolk gedeutet: erst das Wissen um die "Biocoenose Wald" liefere den rechten Schlüssel für Phänomene wie etwa die Gotik und für Geistestaten wie das Lebenswerk des Paracelsus. Das ist gewiß überspitzt, jedoch daß das Waldmotiv im deutschen Geistes- und Seelenleben – von Altdorfer bis Lena – seine besondere Bedeutsamkeit hat, läßt sich nicht leugnen. Von der Waldverwobenheit und Waldverwurzelung kommt auch jene beste deutsche Tierliteratur her, die in Löns keineswegs ihren erfreulichsten, wenngleich ihren bekanntesten Repräsentanten hat. Dem biologistischen Nihilismus – der bei Löns in dem Wunsch gipfelte, nach seinem Tode wie ein Tier verscharrt werden zu wollen und spurlos zugrunde zu gehen – steht die (leider wenig bekannte) Wald- und Tierdichtung des Österreichers Paul Bussen gegenüber, der sich vom Jäger zum Nichtjäger und jagdgegner entwickelte aus einer ähnlichen Kreaturverbundenheit heraus wie Manfred Kyber, dessen Ausspruch, edel am Werdwerk sei nur seine Unterlassung, aus franziskanischer Liebesgesinnung kommt. Heino Landrock steht in dieser Grundgesinnung Bussen und Kyber naner als Löns, dem er aber in der Herbheit seiner Weitsicht verwandt ist.

In zwei neuen Büchern, "Das Waldbuch" (Verlag Hammerich a. Lesser, Hamburg) und "Der Garten Eden" (Alster-Verlag Curt Brauns, Wedel in Holstein), bringt uns Landrock die verlorenen Paradiese nahe: nicht nur die Wälder als solche (die gegenwärtig einem katastrophalen Ausmaß verlorengehen), sondern all jene Beheimatungen im Muttergrund von Bios und Psyche, die da entgleiten und entschwinden, sobald das Leben unter Bitternis zu einer schlimmen Wirklichkeitsberücksichtigung gezwungen wird. Das besonders Reiz-, volle an Landrocks Büchern ist ihr selig-sehnsuchtsvolles (und – notabene – zugleich pro! und naturkundiges) Künden vom Dabeimsein im Atem der Schöpfung und ihre gleichzeitige weise Rechtfertigungskunst im Hinblick auf das Abschiednehmen: "Und so, vertrieben aus seinem Paradies, geschlagen von der ersten bitteren Erfahrung, glitt er ahnungsvoll hinein in die Gewißheit, daß man Neues und Größeres nicht erwerben kann, ohne nicht Vertrautes und lange Erworbenes hingeben zu müssen heißt es im Schlußsatz vom Helden des "Garten" Eden". Alle Gestalten Heino Landrocks sind vom Herzen her voller Regressionstendenzen. aber vom höheren Bewußtsein her finden sie entweder – über ehrlich erarbeiteten Verzicht hinweg – zur Einsicht hin, daß der Mensch nicht dazu geschaffen ist, im Bios zu ertrinken, oder der Verfasser selber weiß darum und legt es denen nahe, die ihn in seinen Wald, begleiten, zu seinen Naturburschen, Käuzen und Heilsuchern. und die er in den Zauber des Gartens Eden hinein-, aber auch aus ihm herausgeleitet mit dem Ausblick auf "Neues und Größeres Herbert Fritsche