Als Grundlage für die Berechnung diente die Hauptfeststellung der Einheitswerte für 1935; die Fortschreibung bis zum Stand von 1939 erfolgte nach der Entwicklung der landwirtschaftlichen Verkaufserlöse und beim Vermögen von Industrie und Handwerk, nach der Entwicklung der industriellen Produktion und der Nettoinvestitionen. Für den Handel boten die Umsätze einen Anhaltspunkt. Das Grundvermögen wurde nach dem Wert der Investitionen in der Wohnungswirtschaft gewonnen; einen weiteren Maßstab bieten die Keinzugänge an Wohnungen im selben Zeitraum. Beim privaten Gebrauchsvermögen wurde, ausgehend von der Schichtung des Einkommen? nach Haushaltungen, für jede Einkommensstufe eine geschätzte Bewertung der Einrichtung eingesetzt und der so gewonnene Durchschnittswert je Haushaltung mit der Zahl der Haushaltungen multipliziert.

Vom Betriebsvermögen des Reiches entfallen 30 Mrd. RM (Anlagevermögen) auf die Reichsbahn. Da die Versorgungsbetriebe bereits in den Einheitswerten des gewerblichen Vermögens enthalten sind, verbleibt als Betriebsvermögen, der Länder und Gemeinden ein Restposten von 2,7 Mrd. RM. Das sonstige Verwaltungsvermögen (Rathäuser, Schulen, Gerichte, usw.) durfte den Wert von 1,5- bis 2 Mrd. RM nicht übersteigen.

Die Berechnung, erstreckt sich auf die wirtschaftlichen Sachgüter, einschließlich der Forderungen an das Ausland und abzüglich der Auslandsschulden. Sie beschränkt sich also auf die dauerhaften Güter, soweit sie in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem konkreten Wirtschaftsablauf, d. h. also, auch der Einkommenssphäre, stehen.

Am Gesamtvermögen hat das Gebiet östlich der Oder und Neiße mit rund 37 Mrd. RM einen Anteil von 13,5 v. H. Dabei hat sich der Anteil dieser Gebiete während des Krieges jedoch, vor allen durch die Verlagerungen industrieller Betriebe nach dem Osten, erhöht. Auch die Kriegsschäden waren dort geringer. Bei den einzelnen Vermögensbestandteilen ergeben^sich naturgemäß erhebliche Unterschiede gegenüber dem durchschnittlichen Anteilssatz... Während, das land- und forstwirtschaftliche Vermögen 17,5 v. H. einnimmt, entfallen auf das-gewerbliche Vermögen nur 6 v. H. Vom Betriebsvermögen des Reiches liegen in den Ostgebieten 18 v. H.

Vergegenwärtigt man sich, daß auf die Dauer diewirtschaftliche Leistungsfähigkeit, insbesondere unter. dem Gesichtspunkt der Schulden- und Reparationspolitik, nicht an der möglichen Substanzentnahme sondern am Volkseinkommen gemessen werden muß, so bedeutet die Einbuße von 12,5 v. H. als Anteil der Ostgebiete am deutschen Volkseinkommen eine erhebliche Schwächung. Alle diese Daten wirken ja über ihren Charakter als absolute Größenvorstellung hinaus; sie vervielfältigen sich in ihrer Bedeutung im Zusammentreffen aller Nachkriegsfaktoren. Auch die Summe solcher Zahlen bleibt eben immer weniger als die ganze Wirklichkeit, vor allem-soweit diese durch Verringerung der volkswirtschaftlichen Produktivität gekennzeichnet ist.

Das ist am Beispiel der Ernährungswirtschaft bereits besonders deutlich. Hier fällt der Anteil der Ostgebiete noch stärker ins Gewicht, als „es bei dem durch das relativ niedrigere Preisniveau dieser Gebiete bedingten Vermögensanteil zum Ausdruck kommt. – Von der industriellen Produktion des Altreiches entfielen 1936 nur 6,4 v. H. auf die Ostgebiete; das entspricht dem Anteil, wie er sich auch aus der Berechnung des Sachvermögens ergibt. Auf den Erzbergbau aber kamen 10 v. H., auf den Steinkohlenbergbau reichlich 14 v. H. und auf den Braunkohlbergbau 18 v. H. Die Zellstoff und Papier erzeugende, Industrie in den Ostgebieten lieferte 23 v. H. der gesamten Produktion.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Ostgebiete zeigt, wie entscheidend sie für die Wiederherstellung eines auch nur annähernd ausgewogenen Gleichgewichts der Produktionsgrundlagen und damit zur Sicherung des deutschen Existenzminimums sind.