Der Streit um die Typen der Fischdampferneubauten hat sich in Hamburg nochnicht gelegt. In einer gemeinsamen Erklärung haben nun das Zentralamt für Ernährung und Landwirtschaft, der Fachausschuß Hochseefischerei der Hauptstelle Fischwirtschaft und der Verband der deutschen Hochseefischereien die in der Öffentlichkeit erhobenen Vorwürfe der Einseitigkeit zurückgewiesen. Die in dieser Erklärung gemachte Feststellung, daß auch bei einem baldigen Beginn von Fischdampferneubauten vor Ende 1948 mit einer spürbaren Auswirkung auf die Fischversorgung nicht zu rechnen ist, sollte die verantwortlichen Stellen allerdings erst recht veranlassen, alles zu tun, um diesen Typenstreit zu beenden und unverzüglich mit Neubauten zu beginnen. Daß viele Firmen der Hamburger Hochseefischerei bereit, sind, Fischdampfer innerhalb der von der Militärregierung gestatteten Größen zu bauen, geht aus verschiedenen Schreiben hervor, die uns zugegangen sind. Konservativer Verbandsstarrsinn ist hier völlig fehl am Platze, Das gilt auch für die Frage der Zuteilung von 10 oder 12 Fischdampfern der Neubauserie für Kiel. Diese Stadt hat durch das Ende der Kriegsmarine ihre wirtschaftliche Grundlage verloren und bemüht Sich bisher vergeblich um die Schaffung einer Hoch-Seefischerei für Schleswig-Holstein, obwohl die (Voraussetzungen dafür sehr günstig sind.

Während man in Hamburg umfangreiche Papierkriege führt und schließlich einen Pressestreit entfacht, ist der Bremer Senat in der gleichen Frage Einfach zur Tagesordnung übergegangen. Während der Osterfeiertage fanden in Bremen zwischen Bürgermeister Kaisen, dem Direktor der US-Militärregierung, Mr. Dunn, und Vertretern der OMGUS Verhandlungen über den Wiederaufbau der Hochseefischerei für das Land Bremen statt. Die Vertreter der US-Militärregierung sind der Ansicht, daß eine verbesserte Fischbelieferung nur durch einen sofortigen Aufbau der Hochseefischerei möglich ist. Vor dem Kriege waren an der Weser- und Elbmündung über 370 große Einheiten der deutschen Fischereiflotte beheimatet; Sie landeten etwa neun Zehntel des deutschen Seefischbedarfes an.-Heute stehen nur 130 Dampfer zur Verfügung, und die Vorkriegsproduktion, ist um 75 v. H. gesunken.

Die Bremer Verhandlungen,-die noch nicht abgeschlossen sind, sehen für das Land Bremen die Gründung einer Fischerei-GmbH, in Bremerhaven vor. Weiterhin wird das Land Bremen durch die Vermittlung der OMGUS aus den amerikanischen Beständen der ehemaligen deutschen Kriegsmarine 25 Fischdampfer, 9 Logger und über 100 Küstenfischereifahrzeuge erhalten.

Mit diesem Schritt hat Bremen seiner Hochseefischerei und damit der eigenen Ernährungsgrundlage einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Offenbar weiß man in Bremen, was man will und wie man das Ziel erreicht. In Hamburg wird geredet, während man in Bremen Fische fängt... ww.