Löbau in Sachsen ist eine kleine Industriestadt von – 14 000 Einwohnern, laut Lexikon hat es ein Amtsgericht, höhere. und Fachschulen, sowie ein Museum und liegt 268 m über dem Meeresspiegel. Früher wurden dort Webwaren, Schuhe, Knöpfe und Klaviere hergestellt,– vielleicht werden sie es jetzt auch noch. Jedenfalls verspricht werden für die Zukunft ein bedeutender Exportplatz zu werden. Es besitzt nämlich eine Firma, die nicht nur Aber „spezielle“ Verbindungen nach allen möglichen Ländern verfügt, sondern deren Inhaber den Nachweis seiner slavischen Abstammung erbringen kann. Man darf es wenigstens aus der Karte schließen, die von Löbau ihren Weg nach Hamburg genommen hat. Da heißt es:

GESUCHT FÜR EXPORT

nach CSR., Jugoslawien, Bulgarien, Polen, Griechenland, Italien und anderen Staaten jeder Art deutsche Qualitäts-Erzeugnisse jeder Branche.Spezielle Verbindungen durch die slavische Import–Export-Firma

Georg Mickel, Löbau/Sa.

Telegrammadresse: „Slavia“ Löbau/Sa:, Tel. 2013.

„Arische“ Firmen waren im Tausendjährigen. Reich unerläßlich, ja man ging soweit, es den arischen Firmen zu gestatten, daß sie mit Nichtarischen Firmen im Auslande Geschäftsbezehungen unterhielten. Man muß wohl aus dem für Sachsennicht ungewöhnlichen Namen Mickel schließen, daß diese Firma bis zum Jahre 1945 auch arisch war; jetzt aber legt sie Wert darauf eine „slavische“ Firma zu sein, die deutsche Qualitätserzeugnisse exportieren will. So etwas nennt man wendig. Was aber sollen die armen Teufel in der britischen und amerikanischen Zone machen, die gern im Auswertung der „speziellen Verbindungen“ des Herrn Mickel ihre Qualitätserzeugnisse an den Mann bringen möchten, aber schon mit Grauen dem Tag entgegensehen, an dem ihnen die Firma Georg Mickel aus Löbau in Sachsen die verhängnisvolle Frage stellen wird, ob sie in der Lage sind, den Nachweis ihrer slavischen Abstammung zu liefern, widrigenfalls.

Vielleicht ist der Herr Mickel gar nicht so bösartig und sieht großzügig über den nicht-slavischen Schönheitsfehler hinweg; wenn er ein tüchtiger Kaufmann ist – und das muß man wohl annehmen – dann mickelt er die Geschäfte schon zurecht. g. s.