Von J. B. Priestley

Der bekannte englische Schriftsteller und Publizist wendet sich mit den nachstehenden ermutigenden Worten an sein eigenes Volk. Wir veröffentlichen sie, weil sie uns geeignet erscheinen, die schwierigen Verhältnisse Englands klarzulegen, mit dessen künftiger Entwicklung das Schicksal des besiegten und besetzten Deutschlands so eng verknüpft ist.

Amerikanische Kritiker behaupten, daß England jetzt vor einer schweren Krise stehe, weil wir die schnelle Reform einer gründlichen Genesung vorzogen.

Mit diesem Vorwurf, kann ich allerdings nicht einig gehen. Ich glaube, er beruht auf einem Mißverständnis unserer jetzigen Lage und auf. Verkennen unsere Volkscharakters. Eine Reform sollte Hand in Hand mit den Nachkriegsarbeiten gehen.

Jetzt ist allerdings etwas in die Brüche gegangen. Ein Volk, das während des Krieges wahre Wunder an Produktion vollbrachte, steht heute verwirrt vor Problemen, die durchaus nicht schwieriger sind als jene die wir sozusagen im Triumph gelöst haben. Worin können wir den eigentlichen Grund suchen? Sind wir einfach müde und zu lässig, um eine Herausforderung noch annehmen zu können? Wir kennen alle diesen Zustand, der uns nach langer und harter Arbeit befällt, einen Zustand, der relativ unbedeutende Probleme weit größer und schwerer erscheinen läßt, als sie in Wahrheit sind.

Der Fehler der Labour-Regierung besteht nicht darin, daß sie eine strikte Reform einer langsamen Genesung vorzog. Aber bei all ihrer Geschäftigkeit im Planen und Sparen übersah sie ganz und gar psychologische Tatsachen, und das ist nach meiner Meinung sehr fatal. Keine moderne Regierung, ganz gleich welchen politischen Ursprungs, kann sich in ökonomische Weiten verlieren und dabei die Psychologie mit Füßen treten.

Es ist von allergrößter Wichtigkeit, zu wissen, Was das Volk eigentlich fühlt und will. Wenn die Leute erschöpft und abgearbeitet sind und mit Vorliebe zynische Bemerkungen über prinzipielle Fragen machen, so wird man verstehen, daß, diese Menschen keine Opfer mehr bringen werden und daß sie sich jetzt zu keiner Zusammenarbeit aufraffen. Wenn anderseits das Volk, durch einen kollektiven Geist angefeuert, sich mit Begeisterung an der gemeinsamen Werkbank findet, wird es schwierig sein, dieser ungeheuren Arbeitskraft eine Grenze zu setzen. In diesem Moment vollbringt ein Volk Wunder! Während des Krieges haben einige von uns immer wieder auf diesen Punkt hingewiesen. Es ging uns damals darum, Hitler in jeder Beziehung zu schädigen, auch indem wir gegen Arbeitslosigkeit, Unfrieden, und Unwissenheit ankämpften, damit außerordentliche Arbeit geleistet werden konnte. Eine wundervolle neue Welt sei möglich, behaupteten wir, wenn wir uns endlich aufraffen würden, für den Frieden so zu kämpfen, wie wir uni/den Sieg kämpften. Für meinen Teil streiche ich nicht ein Wort von all diesen Behauptungen.