In einer Ansprache vor den Pressevertretern der britischen Zone wies General Bishop als Stellvertretender Stabschef der Kontrollkommission darauf hin, daß die Folgen des Krieges, die in Deutscheland zu einer so katastrophalen Ernährungslage geführt haben, mit einer schweren Produktionskrise der Weltwirtschaft zusammenfallen. Selbst wenn die Frage der Finanzierung der gewaltigen Importe außer Betracht bleibt und die Probleme der nicht ausreichenden Tonnage und des fehlenden rollendenMaterials – zur Verteilung der monatlich für beide Zonen erforderlichen 300 000 t Getreide – überwunden werden, bleibt die Tatsache bestehen, daß 6 bis 8 Millionen t Brotgetreide in der Weltproduktion, effektiv fehlen.

Mit einigen kurzen und instruktiven Angaben verdeutlichte General Bishop die Weltsituation; die Erzeugungskapazität der Welt liegt heute etwa 20 v. H. unter der Produktionsleistung von 1938/39. Zufolge der Kriegsereignisse hatte sich das Schwergewicht der Produktion aus Europa und Asien nach Amerika verlagert, während der Hauptzuschußbedarf weiterhin von diesen Kontinenten beansprucht wird. Amerika hat daher seit Kriegsende jeden Monat 1 Million t Getreide in seinen; Häfen nach Übersee verladen – eine Leistung, die nie zuvor gefordert, und erreicht wurde. Der zurückgegangenen Produktion an Nahrungsgütern stände ferner eine in zehn Jahren um 150 Millionen angewachsene Weltbevölkerung gegenüber.

Die kurzen und knappen Ausführungen General Bishops haben in ihrer eindringlichen Art deutlich gemacht, daß die derzeitige Situation die vereinten Anstrengungen aller englischen und deutschen Stellen in Anspruch nimmt. Darüber hinaus wollen wir selber einmal feststellen, daß es zweifellos bisher im allgemeinen nicht üblich war, daß der Sieger auf Kosten der eigenen Bevölkerung – denn England hat erst nach Beendigung des Weltkrieges mit Rücksicht auf die Versorgungslage der britischen Zone eine Brotrationierung eingeführt – Kontributionen an das besiegte Land leistet

Dff.