Von E. Winterhoff, Neuß

Noch 1937, als die Lebensmitteleinfuhr Bereits gedrosselt war, verbrauchte eine „Vollperson“ innerhalb von vier Wochen rund 2000 g. Reinfett. Diese damals tatsächlich verzehrte Durchschnittsmenge würde gegenwärtig einer Margarine-, und Butterzuteilung von 2500 g entsprechen da. diese Fette jetzt 20 v.H. Wasser enthalten. Bisher standen dem Verbraucher in der britischen Zone aber nur 8 v.H. dieses früheren Normalverbrauchs zur Verfügung, und diese kleine Menge kann nicht mehr aufrechterhalten werden. Die (neben ein wenig Rinderfett) fast einzige Grundlage unserer kärglichen Margarineerzeugung ist das Rüböl und das daraus hergestellte Rübfett. Die Bestände der Ernte 1946 sind aufgebraucht. Durch die starke Auswinterung des Rapses wird uns in diesem und dem kommenden Jahre auch dieser Margarinerohstoff fehlen. Der Butteranfall aber geht durch die starke Abschlachtung von Milchvieh und – den Mangel an Ölkuchen als Kraftfutter zurück. In Deutschland können Fettquellen; die eine wirklich ausreichende Hilfe bieten könnten, nicht erschlossen werden. Selbst bei reichlicher Deckung des Kunstdüngerbedarfs und einem-Verbrauch von 1 750 000 Tonnen Ölkuchen, deren Verfütterung zusätzlich zehn Milliarden Liter Milch ergaben, war es im Frieden nicht möglich, die „Feftlücke“ zu schließen. Inzwischen sind unsere landwirtschaftlichen Überschußgebiete im Osten verlorengegangen, und einTeil der von dort vertriebenen Bevölkerung muß in Westdeutschland zusätzlich ernährt werden.

Maisentölung als Aushilfe

Eine Aushilfe kann die Entölung von Mail bieten, der in größerem Umfange eingeführt werden soll. Bisher ist sie mit unzulänglichen Verfahren und einer Speiseölausbeute – bezogen auf die verarbeitete Menge Mais – von nur etwa 1 v.H. vorgenommen worden. Die Entölung kann mit den vorhandenen Mitteln auf 2 bis 3 v. H. gesteigert werden. Die Verarbeitung Von monatlich 100 000 Tonnen Mai; würde ausreichen, um neben der Butter eine Margarineration von 50 g in der britisch-amerikanischen Zone aufrechtzuerhalten. Aber wie bei allen Lebensmittelzufuhren, so ist auch der Umfang der Maisimporte unsicher und schwankend. Während der Sommermonate wird er möglicherweise ganz eingestellt werden, um den Mais nicht einem stärkeren Verderb auszusetzen. Eine weitere, bisher noch wenig geprüfte Möglichkeit bietet auch die Entölung von Hafer,

Aber Mais und Hafer sind keine Fettrohstoffe, Was Deutschland dringend braucht, ist die Einfuhr von Ölsaaten und -früchten, die im Endergebnis Margarine und Butter bedeuten: Butter durch die Verfütterung des bei der Entölung anfallenden Extraktionsschrotes an das Milchvieh. Die Besatzungsmächte haben bisher jedoch alle, deutschen Vorstellungen zurückgewiesen. Offenbar bietet der Kauf von ausreichenden Mengen Speiseöl oder Fettrohstoffen den Besatzungsländern ernstsSchwierigkeiten, weil ihre – Devisenlage – bis auf die der USA – sehr angespannt ist. Ölsaaten aber sind auf dem Weltmarkt bis auf das Siebenfache Und Speiseöle und -fette sogar bis auf das Zehnfache ihres Vorkriegsstandes gestiegen. Außerdem könnten Käufe zugunsten Deutschlands eine weitere Verknappung auf den internationalen Märkten hervorrufen und möglicherweise, die Beschäftigung der Ölindustrie in den Besatzungsmächten beeinträchtigen.

Ölkuchen können Fettkrise mildern

Diese beiden Schwierigkeiten sucht der folgende Fettplan zu überwinden: Die als Viehfutter für unsere Nachbarländer bestimmten Ölkuchen werden über Deutschland geleitet, dort entölt und dann als sogenannter Schrot den ausländischen Käufern zugeführt; Dänemark, England, Belgien, Holland und Schweden importierten vor dem Kriege im Jahresdurchschnitt, etwa 1850 000 Tonnen Ölkuchen, von denen ein Teil stark ölhaltig war. Die Speiseölindustrie der britisch-amertkanischen Zone ist in der Lage, neben der Verarbeitung des einheimischen Rapses jährlich etwa 700 000 Tonnen Ölkuchen – davon allein 600 000 Tonnen in der britischen Zone – zu extrahieren. Aus dem Ölanfall können, schätzungsweise 70 000 Tonnen Margarine und 14 000 Tonnen Fettsäure gewonnen werden. Diese Menge würde eine Erhöhung der Fettration je Zuteilungsperiode, um 150 g Margarine in der britisch-amerikanisphen Zone und außerdem die Herstellung einer beträchtlichen Menge Seife ermöglichen.